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. . . Alpträume und Comebackpläne

Dabei ging am 28. Juli dieses Jahres die Schreckensmeldung um die Welt: Fittipaldi in Michigan schwer verunglückt. Die Diagnose der Ärzte: Ein Halswirbel war angebrochen, der linke Lungenflügel kolabiert, Schulterblatt gebrochen. Um ein Haar wäre Fittipaldi für immer zum Pflegefall im Rollstuhl geworden. "Es war ein Zeichen Gottes, daß ich keine Rennen mehr fahren soll", sagte Fittipaldi damals und trat Anfang August zurück. Doch das Rennfieber packte ihn erneut. Seit dem Unfall fühlte sich Fittipaldi nicht mehr richtig ausgelastet, saß oft gelangweilt vor dem Fernseher, arbeitete an einer Biographie oder kümmerte sich um seine rund 80.000 Hektar große Orangen-Plantage. Und auch seine Tätigkeit als Generalvertreter von Daimler-Benz in Brasilien war da kein Ersatz für den Motorsport: "Ich spüre, daß ich noch gewinnen kann. Rennfahren ist das, was ich am besten kann. Das verschafft mir die meiste Befriedigung."

Der Vater von fünf Kindern - Juliana (21), Jayson (20), Tatiana (14), Joana (9), Luca (5) - will sogar gegen den Willen seiner zweiten Frau Theresa am 2. März 1997 beim Auftakt der IndyCar-Serie in Miami/Florida wieder an den Start gehen. Fittipaldi war in allen Gebieten der PS-Branche erfolgreich. Er bestritt zwischen 1970 und 1980 insgesamt 145 Grand Prix in der "Königsklasse" für Lotus, McLaren, seinem eigenem Team Cupersucar. 1972 und 1974 wurde er Weltmeister und gewann insgesamt 14 Grand Prix. 1972 war Fittipaldi im Alter von 26 Jahren damals jüngster Champion aller Zeiten, bis ein gewisser Michael Schumacher 1994 kam. "Die Formel 1 ist ein kaltes und brutales Geschäft", zieht Fittipaldi ein nüchternes Fazit.

Seit 1984 fährt Fittipaldi in der US-IndyCar-Serie, wurde 1989 Meister und gewann im selben Jahr sowie 1994 die berühmten 500 Meilen von Indianapolis. Mit 15 Jahren hatte seine Karriere als Go-Kart-Mechaniker begonnen. Wer dem Haudegen gegenübersitzt und dessen überschäumende Art erlebt, versteht sofort, warum der Südamerikaner wieder ans Steuer eines Rennwagens will. Carsten Bruder; Foto: AP


Letzte Änderung: 12.06.1998 06:37 von jp