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. . . Wissenschaft 1996

Die Forscher wissen nun nicht nur genauer, wie sich der Erreger Zutritt zu den Zellen verschafft. Sie fanden auch heraus, daß bestimmte körpereigene Eiweißstoffe - sogenannte Chemokine - den Erreger daran hindern, sich einzunisten. Gleichzeitig liefern Studien begründete Hoffnung dafür, daß eine Kombinationstherapie aus mehreren Medikamenten das Leben von HIV- Infizierten deutlich verlängern kann. Für die meisten der weltweit 22,6 Millionen Infizierten ist dies aber keine Hilfe. Sie kommen aus Entwicklungsländern und können sich teure Therapien nicht leisten.

Kein Fortschritt bei der Krebsbehandlung

Kaum Fortschritte gab es 1996 bei der Behandlung von bösartigen Tumoren. Zwar können Experten die Veranlagung zu bestimmten Krebsarten immer häufiger im Erbgut erkennen. Gentherapien werden aber derzeit weltweit nur an etwa 600 Menschen erprobt - bislang ohne größere Erfolge. Zur Liste der derzeit rund 500 Krankheiten, die sich an Gendefekten nachweisen lassen, kamen in diesem Jahr etliche hinzu - unter anderem ein verbreiteter Hautkrebs, die Muskelkrankheit Myotubuläre Myopathie 1, die erbliche Eisenstörung Hämochromatose und eine bestimmte Form von Knochenschwund.

Niederschmetternde Erkenntnisse über BSE

Eher niederschmetternd sind die Erkenntnisse der Wissenschaftler zur Rinderseuche BSE und deren Übertragbarkeit auf den Menschen. Nachdem in Großbritannien einige Fälle einer neuen Variante der unheilbaren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) aufgetreten waren, mehrten sich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der Tierseuche und der neuen Form der unheilbaren Gehirnerkrankung beim Menschen. Britische Wissenschaftler entdeckten dann, daß sich die wahrscheinlichen Erreger beider Krankheiten - infektiöse Eiweiße namens Prionen - stark ähnelten. Die Prionen der herkömmlichen CJD, die bislang nur ältere Menschen befallen hat, wiesen dagegen andere Eigenschaften auf. Diese Beobachtung war der bislang stärkste Hinweis auf eine Übertragbarkeit von BSE auf den Menschen.

Nobelpreise

Feiern ließen sich auch 1996 wieder Wissenschaftler, deren bedeutende Erkenntnisse schon eine Weile zurückliegen: die Nobelpreisträger. So bekamen die US-Forscher David M. Lee, Douglas D. Osheroff und Robert C. Richardson den Physik-Nobelpreis für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse auf dem Gebiet der Tieftemperaturphysik. Die Chemiker Robert F. Curl Jr. und Richard Smalley aus den USA sowie der Brite Harold W. Kroto wurden für die Entdeckung einer neuen Form von Kohlenstoff ("Buckyballs") mit dem Chemie-Nobelpreis geehrt. In der Medizin ging die höchste Auszeichnung der Wissenschaft an den Schweizer Rolf M. Zinkernagel und den Australier Peter C. Doherty für ihre Erkenntnisse über die Funktionsweise des Immunsystems.

Mögliche Lebensspuren vom Mars

Lagen die nobelpreiswürdigen Entdeckungen schon Jahre zurück, haben zwei weitere wissenschaftliche Highlights dieses Jahres den Appetit der Forscher auf die Zukunft geweckt: Im August fanden Wissenschaftler mögliche Lebensspuren in einem kartoffelgroßen Meteoriten vom Mars. Im Dezember ergab die Auswertung von Meßdaten der Raumsonde "Clementine" Hinweise darauf, daß es auf dem Mond wahrscheinlich Eis gibt. Neue Bilder und Meßdaten vom Erdtrabanten und vom Roten Planeten werden jetzt mit Spannung erwartet. Schon im Juli des kommenden Jahres soll die US-Raumsonde "Pathfinder" auf dem Mars landen und mehr Wissen über das All zur Erde bringen.

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:06 von aj