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Elf-Städte-Tour begeisterte Niederländer

16 000 auf dem Eis

Leeuwarden (dpa) - Die traditionelle Elf-Städte-Tour über die zugefrorenen Kanäle der niederländischen Provinz Friesland hat am Sonnabend das ganze Land in ihren Bann gezogen. Erstmals seit elf Jahren war wieder die gesamte 200 Kilometer lange Route durch elf Kleinstädte zugefroren, so daß sich mehr als 16á000 Schlittschuhläufer auf das Eis wagen konnten.

Der 29jährige Landwirt Henk Angenent gewann die Tour. Er bewältigte die Strecke in der bisher zweitbesten Zeit von sechs Stunden und 49 Minuten. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", sagte er. Die schnellste Frau war Klasina Seinstra. Professionelle Kurzstrecken-Läufer haben bei der Marathon-Tour keine Chance, weil ihre Technik zu ausgefeilt ist. Die jüngsten Teilnehmer der 15. Elf-Städte-Tour seit 1909 waren 18 Jahre alt, der ältste 78. Über eine halbe Million Zuschauer feuerte die Sportler an. Im Rest des Landes war es deutlich ruhiger als an normalen Samstagen, weil Millionen das Rennen am Fernsehschirm verfolgten. 70 Kameras übertrugen das größte nationale Sportereignis der Niederlande rund um die Uhr. Während der Sieger das Ziel schon um 12.20 Uhr erreichte, kamen die letzten Läufer erst gegen Mitternacht an.

Kronprinz Willem Alexander im Urlaub in Afrika

Auch einige deutsche Mitglieder der Elf-Städte-Vereinigung waren mit von der Partie. Der sportliche Kronprinz Willem Alexander konnte dagegen diesmal nicht mitlaufen. Die gesamte königliche Familie macht Urlaub in Afrika. Die Bedingungen waren sehr schwer. Bei Minus-Temperaturen von fünf Grad wehte ein eisiger Wind, der den Läufern das Gefühl gab, es wären minus 20 Grad. Viele Teilnehmer stürzten. Ein 57jähriger Läufer erlag am Abend auf dem Eis einem Herzinfakt. Rund 100 Menschen mußten mit Knochenbrüchen oder schweren Prellungen ins Krankenhaus. Die Hälfte von ihnen waren Zuschauer.

Nur in sehr strengen Wintern bildet sich auf den Kanälen die erforderliche 15 Zentimeter dicke Eisschicht. Freiwillige Helfer hatten in den vergangenen Tagen die letzten Löcher gestopft, indem sie ausgesägte Eisblöcke "transplantierten". Um ein Verkehrschaos zu vermeiden, war am Sonnabend die gesamte Provinz für Autos von außerhalb gesperrt. Die Polizei mußte kaum eingreifen. In dem Ort Sneek schüttete die Aktionsgruppe "Elf-Städte- Tour Nein" Salz auf das Eis. Diese Initiative kritisiert den Tour- Rummel. Sie rief in Flugschriften und im Internet dazu auf, Löcher in die Eisdecke zu hacken. Fotos: ap/dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von jp