IVWPixel Zählpixel

. . . 50 Jahre "Der Spiegel"

Der Chefredakteur des Münchner Konkurrenzblattes "Focus", Helmut Markwort, gratulierte in einem Interview der Hamburger "Morgenpost" "Spiegel"-Gründer und Herausgeber Rudolf Augstein zu "seiner phantastischen Lebensleistung". Dem Chefredakteur des "Spiegel", Stefan Aust, sagte Markwort "glückwünschend und tröstend meinen alten Satz: In Deutschland ist Platz für zwei Nachrichtenmagazine." Der "Spiegel" sei der Geist der stets verneint. Der interessiere sich mehr für Mephisto. "Wir interessieren uns mehr für Faust", sagte Markwort.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes, Hermann Meyn, würdigte den "Spiegel" am Samstag als "große publizistische Institution". "Der Spiegel" sei zwar nicht mehr der alte, jedoch nicht zu alt, um sich "auch in Zukunft in dieser Republik zu halten", sagte der Chef der Journalisten-Gewerkschaft im Saarländischen Rundfunk. Das in Hamburg erscheinende Nachrichtenmagazin habe in den 60er Jahren zum Beispiel "eine große Rolle für die Entwicklung der Pressefreiheit" gespielt, sagte Meyn.

Auch künftig investigativer Journalismus

Rudolf Augstein sieht die Aufgabe des Nachrichtenmagazins auch künftig im investigativen Journalismus. Das Blatt werde "weiterhin ohne Rücksicht auf Verluste aufklären", hatte Augstein in einem dpa- Gespräch betont. Der 73jährige will dem Magazin als Herausgeber und Autor erhalten bleiben. "Einen Rückzug plane ich nicht." Der DJV-Vorsitzende Hermann Meyn warnte vor einem Abgleiten in den Sensations-Journalismus. Es habe zwar schon immer Boulevard- und Schlagzeilen-Blätter gegeben, aber im seriösen Magazin-Journalismus habe dies bisher nicht stattgefunden. "In den letzten Jahren" jedoch würde auch der Spiegel "gelegentlich überdrehen". Gerade im Fall des brandenburgischen Ministerpräsidenten Stolpe seien "etliche Vorverurteilungen im Spiel" gewesen, sagte Meyn.

Die Veranstaltungsreihe zum Spiegel-Jubiläum wird am 15. Januar mit einem Empfang im "Haus der Geschichte" in Bonn eröffnet, bei dem Bundespräsident Roman Herzog die Festansprache halten wird, teilte der "Spiegel" am Samstag mit. Am 24. April folgt eine öffentliche Diskussion in Berlin zur Zukunft der deutschen Hauptstadt. Ein Geburtstagsfest mit den Mitarbeitern des Spiegel und Gästen ist erst für den 2. Juni in Hamburg geplant. Den Lesern präsentiert sich das Magazin von Montag an durchgehend vierfarbig, mit einer neuen Schrifttype und besserer Papierqualität.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von jp