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95 Grad heißer Wasserdampf schoß plötzlich aus der Erde:

Fernwärmerohr in Essen geplatzt

Essen (dpa) - Ein 30jähriger Mann schrie entsetzt vor der Marktkirche im Herzen von Essen auf. 95 Grad heißer Wasserdampf schoß direkt unter seinen Füßen aus der Erde und verbrühte seine Beine. Fontänen stiegen Sekunden später an mehreren Stelle in der Fußgängerzone aus Kanälen und dem aufbrechendem Boden empor. Dampfwolken verwandelten die Einkaufszone im Durchmesser von 100 Metern in eine bizarre Landschaft. Ständen nicht links und rechts die hochaufragenden Essener Kaufhäuser, das Bild hätte einer isländischen Geysirenszene geglichen.

Der verbrühte Passant war gerade in ein Krankenhaus eingeliefert worden, da rutschte eine Frau auf dem schnell gefrierenden Schwaden aus und brach sich einen Arm. Das gespentische Szenario, das ein altersschwaches Fernwärmerohr unter der Hochlast des Winters heraufbeschworen hatte, weitete sich aber nur für diese zwei Menschen zum schmerzhaften Unglück aus. Die übrigen Passanten brachten sich verschreckt in Sicherheit und starrten gebannt auf das Schauspiel.

Heizung kalt

Das Interesse ebbte jedoch bei den eiskalten Temperaturen und nach Klärung der banalen Ursache schnell ab - bei den Fernwärmekunden in der Umgebung erwachte es umso nachdrücklicher. 1000 Haushalte, Büros und Geschäftsräume waren bis zum Morgen ohne Heizung. Am Abend liefen nur noch beim Energeiversorger "Steag" die Telefone heiß. "Was ist los, bei uns ist die Heizung kalt", schallte es bei der Steag durch die Hörer. In der Nacht bedankten sich schon erste Kunden für prompte Bedienung. "Es ist wieder warm", hieß es ab zwei Uhr.

Korrossion an 30 Jahre altem Rohr

Der Energieversorger hatte vorsichtshalber in umliegenden Wohngebieten den Heißwasserhahn abgedreht, um in über zwei Metern Tiefe das 15 Zentimeter dicke Stahlrohr flicken zu können. Grund für den Riß war Korrosion an dem 30 Jahre alten Rohr, durch das 120 Grad heißes Wasser fließt. Eine Druckerhöhung wegen der hohen Wärmenachfrage hatte dem verrosteten Abzweig den Rest gegeben. Zur Korrosion war es nach Rissen in der Betonhaube über der Rohrabzweigung gekommen, die den Weg für Sickerwasser auf die Schweißnähte freigegeben hatte. "Es war ein Zufall, daß die Leitung geplatzt ist", meinte die Steag. "In Berlin stammen die Rohre sogar aus den zwanziger Jahren und halten noch heute." Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj