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Fieberhafte Verbrechensbekämpfung:

Polizeihunde auf dem Prüfstand

Ludwigshafen (dpa) - Benno (Foto) kratzt in höchster Aufregung am Tankdeckel. Keine zehn Minuten hat der schwarz-braune Polizeihund gebraucht, um das von einem Polizeibeamten hinter der Blechabdeckung versteckte Heroin zu finden. Für den schnellen Erfolg gibt es reichlich Streicheleinheiten von Bennos uniformiertem Herrchen und wichtige Punkte auf dem Zettel von Karl Heinz Zander. Der Polizeihunde-Experte prüft an dem kalten Morgen in Ludwigshafen neben Benno noch fünf andere Schäferhunde, die im Dienst der Polizei stehen.

Ein bis zwei Mal im Jahr muß jeder der rund 120 Polizeihunde in Rheinland-Pfalz seine Diensttauglichkeit beweisen. Die verschiedenen Prüfungen dauern mehrere Stunden. Die Hunde müssen in Autos und Gebäuden versteckte Drogen oder Sprengstoff finden, weglaufende Personen stellen und zeigen, daß sie mutig und kampfbereit sind. Der fünf Jahre alte Benno ist beides. Dem scheinbaren Angriff eines Kollegen auf sein Hundeführer-Herrchen Jörg Flatter begegnet der mit einem Beißkorb versehene Benno mit lautem Bellen und einer Attacke auf den Arm des Angreifers.

"Standfestigkeit und Aggressivität"

"Der Hund muß bei einer Bedrohung Standfestigkeit und Aggressivität beweisen und zeigen, daß er zum Beispiel bei einer gewalttätigen Demonstration bestehen kann. Ängstliche Tiere können wir natürlich nicht gebrauchen", erklärt Zander. Die Polizei in Rheinland-Pfalz kauft die Tiere, von denen die meisten Schäferhunde sind, im Alter von acht bis zwölf Monaten bei Züchtern ein und unterzieht sie dann einem mehrere Wochen dauernden Test. Die Hunde-Experten der Polizei stellen während dieser Testphase fest, ob das jeweilige Tier die notwendigen Voraussetzungen mitbringt.

"Wir überprüfen die Hunde auf ihren Wehrtrieb und kontrollieren, ob sie keinen psychischen Schaden haben. Körperlich müssen die Tiere sowieso topfit sein. Das bedeutet, daß sie zum Beispiel kein Hüftgelenksleiden haben dürfen", sagt der Leiter der 14 Hunde umfassenden Staffel des Ludwigshafener Polizeipräsidiums, Dieter Kurz. Wenn Aggressivität und Reflexe nach acht oder neun Jahren nachlassen, werden die Tiere ausgemustert. In aller Regel bekommt ein Hundeführer das ihm zugeteilte Tier dann vom Land Rheinland-Pfalz geschenkt. "Dadurch entledigt man sich elegant des Hundes, weil man die persönliche Bindung des Hundeführers zu seinem Tier ausnutzt", sagt ein Polizeibeamter.

Dressur mittels Spieltrieb

Wegen ihres ausgezeichneten Geruchssinnes werden Hunde von der Polizei häufig bei der Suche nach Drogen, Sprengstoff oder auch Leichen eingesetzt. Bei der Dressur machen sich die Hunde-Experten dabei den Spieltrieb der Tiere zunutze. In hohlen Plastikknochen deponieren die Hundetrainer während der Ausbildung zum Beispiel Rauschgift, so daß die Hunde den Geruch der Drogen mit ihrem Spielzeug in Verbindung bringen.

Bei einer Suchaktion, etwa im Auto eines Verdächtigen, wird dem jeweiligen Hund sein Plastikknochen gezeigt und dann versteckt. Der Hund versucht daraufhin den Knochen mit Hilfe seiner Nase zu lokalisieren und macht sich bemerkbar, wenn er den typischen Geruch erschnuppert hat - gefunden hat das Tier dann aber nicht sein Spielzeug, sondern verstecktes Rauschgift. "Die suchen manchmal so intensiv, daß sie Fieber bekommen. Das ist richtige Schwerstarbeit für die Hunde", berichtet Hundeprüfer Zander.

Scharren oder hinlegen?

Wichtig sei vor allem, den Hunden nach der erfolgreichen Suche verschiedene Reaktionen anzutrainieren, sagt Zander. "Bei Drogen müssen sie scharren. Bei Sprengstoffgeruch dagegen müssen sich die Tiere sofort hinlegen. Denn wenn sie da kräftig scharren würden, dann wäre das ihre letzte Aktion gewesen." Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj