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  • Originale Fälschung: Der Flügeltüren-SL ist wieder da

    Deutsche Autos in Detroit im Rampenlicht

    Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW präsentieren sich selbstbewußt

    Detroit (dpa) - Die großen deutschen Autobauer stehen auf der North American International Auto Show in Detroit im Rampenlicht. Audi, BMW, Mercedes, Porsche und VW präsentieren im amerikanischen Mekka des Automobilbaus auf riesigen Ständen ihre Modelle und treten selbstbewußt gegen die mächtige Konkurrenz aus Japan und den USA an.


    "German Cars" laufen derzeit auf Hochtouren, viele Hersteller kommen mit dem Liefern nicht mehr nach. Da lassen Glanz und Prestige nicht auf sich warten: Der Mercedes-Benz Roadster SLK (Foto links) wurde von US- Fachjournalisten mit dem begehrten Titel "Nordamerikanisches Auto des Jahres" gekürt. Im vergangenen Jahr verkauften die deutschen Hersteller 373.000 Autos in den USA, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. BMW überschritt in den USA erstmals die Marke von 100.000 Fahrzeugen, freute sich Vorstandschef Bernd Pischetsrieder: "Wir haben das beste Absatzergebnis in den USA und weltweit erzielt - ein Meilenstein für BMW." Auch Mercedes will diese Absatzmarke 1997 schaffen.

    Roadster, Sportwagen, Cabriolets und Coupes

    Die Deutschen gehen mit einer Vielzahl von Roadstern, Sportwagen, Cabriolets und Coupes in dem am härtesten umkämpften Automarkt der Welt an den Start. Die Zweisitzer Mercedes SLK, BMW-Z3 und Porsche Boxster (Foto rechts) profitieren vom Boom Fun-(Spaß)Autos in den USA. Knallige Signalfarben gehören dazu: Signalgelb, Monzarot, Grasgrün oder ein strahlendes Technoblau. "The roadster are back - Die Roadster sind wieder da", meinte ein US-Branchenbeobachter. Auch VW schwimmt auf der sportlichen Welle und präsentiert eine CJ genannte Coupe-Studie.

    Während die Stände von Audi, BMW, Mercedes und Porsche benachbart sind, ist der deutsche Autogigant aus Wolfsburg weit abgelegen am anderen Ende der riesigen Ausstellungshalle. Dort finden sich dann asiatische Unternehmen wie Mazda, Honda oder Subaru. Fast trotzig reagiert man bei VW auf die Frage nach Auswirkungen des Lopez-Konfliktes mit General Motors - die Verkäufe in den USA seien weiter gestiegen. Die US-Händler sind jedoch wegen des Streits um den früheren VW-Einkaufschef Jose Ignacio Lopez besorgt und hoffen auf eine schnelle Einigung, ist zu hören. Darauf setzen auch deutsche Auto-Top-Manager. Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp sagte: "Es wäre vorteilhaft für beide Seiten und beide Länder.. ., wenn dieses außerhalb des Gerichts gelöst werden könnte." VW-Vorstandschef Ferdinand Piech war ebenso wenig in der "Höhle des Löwen" anzutreffen wie andere VW-Vorstände.

    Der US-Markt boomt

    Daß Schrempp nach Detroit gereist war und nicht Mercedes-Chef Helmut Werner, gab bei manchen Beobachtern zu Spekulationen Anlaß. Schließlich sind die beiden Top-Manager die Hauptakteure im Tauziehen um die neue Struktur von Deutschlands größtem Industriekonzern. Werner gilt bei in- und ausländischen Konkurrenten als einer der fähigsten deutschen Auto-Manager; sein Ausscheiden aus dem Konzern würde dort auf Bedauern stoßen. Schrempp stellte in einer vielbeachteten Rede vor 500 Geschäftsleuten aus der Region den deutschen Wirtschaftsstandort als durchaus positiv dar, auch wenn Reformen notwendig seien.

    Die US-Branche zeigt auf ihrer traditionellen Heimatschau alles, was sie hat und kann. Der US-Markt mit 15 Millionen Neuwagen im Jahr ist der größte der Welt und boomt. Vor allem bei Freizeit-, Sport- und Geländewagen. Die General Motors Sparte Chevrolet präsentierte mit einer Zwei-Millionen-Dollar-Show die neue Version ihres Klassikersportwagens Corvette. Die Chrysler-Division Dodge stellte seinen neuen Zweisitzer Copperhead vor, der Name bezeichnete eine Mokassinschlange. Auch Konzeptautos sind in Detroit beliebt. Chrysler zeigte ein Cabrio mit dem Namen Phaeton; das knapp 5,5 Meter lange Auto soll an die glänzenden Großautozeiten der 30er bis 50er Jahre anknüpfen. Von diesem Wochenende an werden über 750.000 Besucher in den Hallen der Autoausstellung erwartet.

    Die 1907 gegründete Schau mit über 700 Modellen von 40 Herstellern reiht sich damit in den internationalen Reigen der großen Messen von Frankfurt, Genf, Paris und Tokio ein.
    Von Birthe Blechschmidt und Christian Böhmer, Fotos: Reuter/dpa


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj