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Kinder am Computer

Spielerisches Lernen oder Gefahr für die Sinne?

Aschaffenburg (gms) - Sollen Kinder bereits im Vorschulalter mit dem Computer spielen oder nicht? Diese Frage stellen sich nicht nur viele Eltern, sondern auch Pädagogen und Wissenschaftler. Vor allem die Kleinen ab drei Jahren werden von der Computerbranche immer mehr als potentielle Kunden entdeckt. Es gibt inzwischen nicht nur eine Vielzahl von Spielen für diesen Altersbereich, verschiedene Hersteller haben sogar spezielle Kindercomputer auf den Markt gebracht.

Der Computer an sich ist weder gut noch schlecht, in diesem Punkt sind sich die meisten Experten einig. Die Herausforderung für die Eltern und Erzieher besteht weniger darin, die Kinder vom PC fernzuhalten oder die Kids an den Computer heranzuführen, sondern vielmehr darin, daß die Kinder den richtigen und angemessenen Umgang mit diesem Medium lernen.

Viele der Kleinen werden in ihrem späteren Berufsleben auf den Computer wohl kaum verzichten können. Bereits heute gibt es nur noch wenige Arbeitsbereiche, in denen kein Rechner eingesetzt wird. Somit können sich die Kinder spielerisch Fähigkeiten erwerben, die sie später in Ausbildung und Beruf brauchen werden.

Besser auch den realen Bauernhof besuchen

Die Verbraucherzentrale in Berlin weist jedoch darauf hin, daß es für die Kinder wichtig ist, ihre Umgebung nicht nur über verschiedene Computerspiele kennenzulernen. Beispielsweise bei dem interaktiven Spiel auf CD-Rom "Leben auf dem Bauernhof" können die Kleinsten das Leben auf dem Bauernhof erkunden. Einprägsamer wäre es jedoch, wenn das Kind den Bauernhof auch bei einem Besuch erleben könnte. Denn selbst wenn das CD-Rom-Spiel mit seinen realitätsnahen Geräuschen und Bildern gerade den Stadtkindern einiges zum Leben auf dem Bauernhof erklärt, so kann es doch die echte Erfahrung nicht ersetzen, wie sich eine Kuh anfühlt oder wie es auf einem Bauernhof riecht.

Über das Spiel bekommen die Kinder letztendlich nur Informationen aus zweiter Hand, bemängeln die Verbraucherschützer. Vor allem die kleinen Kinder seien aber dringend angewiesen, ihre Umgebung sinnlich zu erleben, damit sie ihre fünf Sinne - Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken - entfalten und so ihre Umwelt besser begreifen können. Computerspiele können die ganzheitlichen Erfahrungen also ergänzen, aber nicht ersetzen.

Aus Langeweile vor dem Bildschirm

Untersuchungen haben gezeigt, daß in Deutschland Kinder der dritten und vierten Klasse in ländlichen Gebieten durchschnittlich 45 Minuten pro Tag alleine am Computer verbringen. In der Stadt sind es noch etwas mehr, nämlich rund 60 Minuten pro Tag. Die Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (AJS) weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß Kinder vor allem aus Langeweile am Computer spielen, weil andere Freizeitangebote und Spielpartner fehlen.

Aber nicht in jedem Fall ersetzt das Spiel am Computer das Spiel mit Eltern, Geschwistern oder gleichaltrigen Freunden. Die Spielefirma Ravensburger betont, daß Kinder über Computerspiele ganz andere Lernmöglichkeiten haben. Komplexe Zusammenhänge könnten über Multimedia sichtbar und nachvollziehbar gemacht werden. Die Kinder haben bei modernen Lernprogrammen die Möglichkeit, das Programm ihren Bedürfnissen beispielsweise beim Tempo und Schwierigkeitsgrad anzupassen, so die Software-Spezialisten. Wichtig sei auch, daß die Kinder selbst aktiv werden, selbst mitgestalten können, was auf dem Bildschirm passiert. Der Computer sei sehr geduldig und ermuntere immer wieder nach einem Mißerfolg, es noch einmal zu versuchen.

Einerseits Erfolgsdruck, andererseits Streßabbau

Die AJS betont, daß das Bildschirmspiel die Kinder häufig anstrengt und unter Erfolgsdruck setzt. Andererseits könne das Spielen am Computer aber auch zum Abbau von Streß und Angst vor dem Versagen führen, wenn das Programm von den Kindern beherrscht wird. Günstig wirke sich ein unmittelbares Rückmeldesystem aus, bei dem erfolgreiches Handeln sofort belohnt und fehlerhaftes Verhalten korrigiert wird. Die Verbraucherzentrale Berlin rät den Eltern, ihre Kinder behutsam und möglichst erst ab dem Schulalter an das Medium Computer heranzuführen. Besonders wichtig sei es, auch auf eine altersgerechte und gut aufbereitete Software zu achten. Das Programm sollte leicht zu bedienen sein und Wahlmöglichkeiten während des Spielens offen halten, damit die Kinder kreativ in das Geschehen eingreifen können.

Eine Broschüre der AJS zum Thema Kinder und Computer ist kostenlos erhältlich bei der Landesstelle Nordrhein-Westfalen, Hohenzollernring 85-87, 50672 Köln.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj