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Skandal in Italien: Millionen-Lottogewinn annulliert

Rom (dpa) - 24 Stunden lang schwebte ein junger Arbeiter aus der Nähe der italienischen Adriastadt Ancona als frischgebackener Millionär im Lottoglück. Dann kam nach Zeitungsberichten vom Mittwoch die Enttäuschung seines Lebens: Die Ziehung wurde annulliert, weil das Gerät defekt war. Die Millionenausschüttung am Dreikönigstag dürfte als der größte Skandal in die Geschichte der italienischen Lotterie eingehen. Noch nie war es bislang zu einem ähnlichen Eklat gekommen. Die Millionenpleite soll sogar ein parlamentarisches Nachspiel haben.

Bei der live im Fernsehen übertragenen Ziehung am Montagabend blieben mehrere Kugeln stecken. Die Assistenten halfen dem Glück mit einigen Schlägen auf das Gerät nach, legten schließlich sogar selbst Hand an. Hunderte von Fernsehzuschauern beschwerten sich darüber, bis die Ziehung schließlich einen Tag später annulliert wurde. Der Lotto- Pechvogel aus der Nähe der Ortschaft Jesi verlor auf einen Schlag zwei Milliarden Lire (zwei Millionen Mark). Er konnte trotz hartnäckiger Nachforschungen zunächst nicht ausfindig gemacht werden. Für ihn ist aber noch nicht alles verloren: Er könnte gerichtlich die Gültigkeit der Ziehung einklagen.

Die Besitzer der Bar, wo das Unglückslos verkauft wurde, verstehen die Welt nicht mehr. "Da kann man ja einen Herzanfall bekommen", sagte Rosa Mattei, die 52jährige Frau des Inhabers. Finanzminister Vincenzo Visco leitete eine Untersuchung mit dem Ziel ein, mögliche Verantwortliche für den Skandal zur Rechenschaft zu ziehen. Verbraucherverbände forderten, die gesamte Ziehung zu annullieren. Davon betroffen wären zahlreiche weitere Lottogewinner.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj