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Automobilclubs wollen Notrufsäulen übernehmen:

Arbeitsgemeinschaft Pannenhilfe

Klemm (SPD): Privatisierung "verkehrspolitischer Unsinn"

Bonn (Reuter) - Die deutschen Automobilclubs wollen die Notrufsäulen an den Autobahnen übernehmen. Die im November gegründete Arbeitsgemeinschaft Pannenhilfe, an der auch Verbände von Kfz- und Abschleppunternehmen beteiligt sind, würden sich um das Netz bewerben, sagte ADAC-Sprecher Wolfgang Wuthe am Mittwoch in München. Notrufe könnten dann kostenlos bleiben.


Hessens Verkehrsminister Lothar Klemm (SPD) nannte die Pläne zur Privatisierung der Notrufsäulen "verkehrspolitischen Unsinn". Das Bundesverkehrsministerium kündigte an, die Privatisierung des Notrufnetzes noch im Januar europaweit auszuschreiben.

Mit der Übernahme der Notrufsäulen durch die Arbeitsgemeinschaft könne "Wildwuchs im Bereich der Pannenhilfe" verhindert werden. "Außerdem wollen wir verhindern, daß eine private Gesellschaft von uns oder den Autofahrern Geld dafür verlangt, daß sie die Notrufe weiterleitet", sagte der ADAC-Sprecher. Auch der Auto Club Europa (ACE) warnte vor "Geschäftemacherei mit Pannenopfern". Wenn die Finanzierung der Notrufdienstleistung geklärt sei, sei auch der ACE bereit, sich im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Pannenhilfe zu engagieren. Die Verantwortung für die Verkehrswege müsse aber eine hoheitliche Aufgabe bleiben, erklärte der ACE.

ADAC: Privater Betrieb sparsamer

Nach Einschätzung des ADAC könnte das Notrufnetz bei der Privatisierung sparsamer betrieben werden. "Wir würden es sicher nicht mit 180 Mitarbeitern betreiben", sagte der ADAC-Sprecher. Es sei nicht nötig, an jeder Autobahnmeisterei eine Notrufaufnahme zu beschäftigen. Die bisherigen Personalkosten von jährlich 38 Millionen Mark könnten deutlich verringert werden.

Der Arbeitgemeinschaft Pannenhilfe gehören neben ADAC und ACE der Automobilclub von Deutschland, der Kraftfahrer- Schutz, der Zentralverband des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes und der Verband der Bergungs- und Abschleppunternehmen an.

Der hessische Verkehrsminister Klemm lehnte eine Privatisierung der Notrufsäulen im Hessischen Rundfunk ab. Zu den Notrufsäulen gehöre ein vollständiges Informations- Datenleitungsnetz, das für ein modernes Verkehrsmanagement unverzichtbar sei, sagte Klemm. Ein Verkauf bedeute, daß sich die öffentliche Hand bei den privaten Betreibern das Netz zurückkaufen oder Leitungen mieten müsse.

Kosten für die Nutzer sollen bei der Vergabe berücksichtigt werden

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, es werde eine zügige Entscheidung über die Privatisierung angestrebt. Ob und inwieweit die Notrufe künftig kostenpflichtig seien, könne erst nach der Sichtung der Angebote festgelegt werden. Die Kostenfrage für die Nutzer sei ein wichtiges Kriterium bei der Vergabe. Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj