IVWPixel Zählpixel

. . . Leukämierisiko um La Hague

Die französische Umweltministerin Corinne Lepage sagte am Freitag in einer ersten Reaktion eine Nachprüfung der Ergebnisses Viels durch Wissenschaftler der Regierung zu. Sie würden untersuchen, ob es in Fischen und im Boden rund um die Atomanlage erhöhte Strahlenwerte gebe. Sie fügte hinzu: "Wir müssen vorsichtig sein und dürfen nicht in Panik geraten."

Betreiber: Falsch und panikmachend

In Viels Studie waren 219 Kinder in Jobourg und anderen Dörfern rund um La Hague untersucht worden, von denen 27 an Leukämie erkrankt sind. Die Menschen in Jobourg scheinen nicht viel von dem Bericht zu halten. "Jeder hier hat Angst vor einem Atomunfall, aber das ist etwas ganz anderes", sagt Jean-Marc Leliepault, der im Ort eine Gaststätte besitzt. In bezug auf die Gefahren des Strands und von Fisch fügt er hinzu: "Ich habe keine Angst. Ich kenne niemanden, der Krebs hat. Ich esse immer Meeresfrüchte, und mir geht es gut."

Cogema, die staatliche Betreibergesellschaft von La Hague, wies den Bericht umgehend als falsch und panikmachend zurück. Sie verweist darauf, daß unzählige staatliche Stellen die Sicherheit der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage überwachen. Jeden Monat wird die Radioaktivität in Wasser, Milch, Fisch und anderen Tieren an 820 Stellen in Jobourg und vier anderen Dörfern in dem Gebiet gemessen. Das Ergebnis wird den Bewohnern per Post mitgeteilt. Cogema zufolge ist die Radioaktivität, die auf La Hague zurückgeführt werden kann, geringer als die in der Natur vorkommende.

Mangel an unabhängigen Kontrollen

"Es ist ein Skandal, die staatlichen Kontrollen in Frage zu stellen", sagt der Direktor von La Hague, Patrick Ledermann. Viels Untersuchung habe einen statistischen Anstieg nachgewiesen. Aber der könne an "hunderten Stellen" in Frankreich festgestellt werden, sagte Ledermann. Einen Zusammenhang mit der Atomanlage könne natürlich hergestellt werden, aber das sei nicht verantwortungsbewußt, sondern effektheischend und panikmachend.

Viel verteidigte sich gegen diesen Vorwurf mit dem Hinweis, er sei nur ein Wissenschaftler, der seine Arbeit mache. Er sei weder für noch gegen die Atomkraft. Der Mangel an unabhängigen Kontrollen sei aber ein typisch französisches Problem, sagte Viel. "Alles ist stark zentralisiert. Die Macht ist in wenigen Händen." Von William Kole


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj