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Volkswagen auch nach Vergleich mit Opel noch nicht aus dem Schneider:

Einigung kostet VW 1,7 Milliarden Mark

Strafverfahren in Deutschland und den USA gehen weiter - Prozeß?

Rüsselsheim/Wolfsburg (AP) Auch nach dem 1,7 Milliarden Mark teuren Vergleich mit General Motors und Opel in der Lopez-Affäre ist für VW die Gefahr gerichtlicher Auseinandersetzungen noch nicht gebannt. Wie beide Seiten am Freitag erklärten, werden im Rahmen der tags zuvor erzielten gütlichen Einigung die Zivilklagen gegeneinander zurückgezogen. Die Strafverfahren in Deutschland und den USA gehen aber weiter und können durchaus zu Prozessen führen. GM/Opel versicherten jedoch, unabhängig von deren Ausgang betrachte man die Forderungen an VW als erledigt.

Beide Seiten erklärten, der Vergleich wahre ihre Interessen. Opel-Chef David Herman sagte in Rüsselsheim, die Einigung beruhe auf den von GM genannten Voraussetzungen. VW habe gesetzeswidrige Handlungen des 1993 von GM zu VW gewechselten Managers Jose Ignacio Lopez (Foto rechts) und anderer Mitarbeiter eingeräumt und sich von ihnen getrennt. VW-Konzernsprecher Klaus Kocks sagte, die Kosten für einen drei- bis fünfjährigen Schadenersatzprozeß in den USA wären nicht geringer gewesen als die Summe, die jetzt gezahlt werden müsse.

GM-Vize: VW-Belegschaft kann erleichtert sein

Der Vergleich in dem fast vierjährigen Streit sieht so aus: VW zahlt 100 Millionen Dollar an GM und kauft binnen sieben Jahren Autoteile für eine Milliarde Dollar bei dem Konkurrenten. Die 100 Milliarden nannte Opel-Chef Herman "eine finanzielle Kompensation für angerichteten Schaden", dessen genaue Höhe er aber nicht quantifizieren wollte. Die VW-Einkäufe bei der GM-Gruppe würden nach den üblichen Konditionen gestaltet und kämen auch den deutschen Standorten des Konzerns zugute.

GM-Vizepräsident Hans Wilhelm Gäb betonte, falls der gesamte GM/Opel zugefügte Schaden geltend gemacht worden wäre, "wäre VW im Kern als Unternehmen und seine 200.000 Arbeitsplätze gefährdet gewesen. Dieser Preis war uns zu hoch." Vor allem die "tüchtige Belegschaft von Volkswagen" könne nun erleichtert sein.

Möglich wurde der Vergleich dank eines Briefwechsels zwischen VW-Chef Ferdinand Piech (Foto links) und dem VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Liesen einerseits und dem GM-Vorstandsvorsitzenden John Smith und Verwaltungsratschef John Smale andererseits. Die Autobosse bekunden darin ihr Bedauern über die Eskalation des Streits.

"Die Hauptsache ist, sie haben es hinter sich"

Piech und Liesen schließen angesichts der Anklage von Lopez durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt nicht aus, "daß es zu rechtswidrigen Handlungen ... gekommen sein kann". VW habe "Verständnis für die Besorgnis von GM/Opel" hinsichtlich Lopez und seiner Mitarbeiter, die mittlerweile alle den VW-Konzern verlassen haben. Smale und Smith begrüßen, daß VW die Besorgnis von GM und Opel als berechtigt anerkennt.

In Branchenkreisen und an der Börse wurde der Vergleich mit Erleichterung aufgenommen. "Die Hauptsache ist, sie haben es hinter sich", sagte ein Börsenhändler. Der Kurs der VW-Aktie sprang schon am Donnerstag über die 700-Mark-Marke und schloß am Freitag um mehr als 20 Mark erhöht bei 712 Mark.

Noch kein Termin für Lopez-Prozeß

Ob Lopez nur wirklich spioniert hat oder nicht, muß das Landgericht Darmstadt klären. Dort ist Lopez der Unterschlagung und Verwertung von Betriebsgeheimnissen angeklagt. Auf das Verfahren hat die Einigung keine unmittelbar ersichtlichen Auswirkungen, wie ein Sprecher der Behörde mitteilte. Ob und wann es zum Prozeß komme, stehe noch nicht fest, da Lopez' Anwälte bis Februar Zeit hätten, sich zu äußern. Auch die US-Behörden deuteten an, erst einmal weiter zu ermitteln wie bisher.

Lopez war Topmanager bei GM und Opel und wurde 1993 nach Wolfsburg abgeworben. Dem ins Trudeln gerateten größten deutschen Autobauer half er aus den roten Zahlen. GM und Opel haben bis vor kurzem behauptet, Lopez habe dafür gestohlene Kalkulationen und Planungen aus Detroit und Rüsselsheim verwendet. Der gebürtige Baske schied Ende 1996 aus dem VW-Konzern aus.

Kein Handschlag von Piech und Herman

Nach den Worten Hermans ist die Einigung im Sinne des guten Rufs der deutschen Wirtschaft und im Interesse der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Bundeswirtschaftminister Günter Rexrodt nannte den Vergleich einen gute Nachricht für den Automobilstandort Deutschland.

Einen Handschlag zwischen Piech und Herman wird es dennoch so bald nicht geben. Er habe nur einmal, ganz am Anfang der Affäre, mit Piech darüber gesprochen, sagte der Opel-Vorstandsvorsitzende. "Es wird einige Zeit brauchen, bis die Wunden heilen", fügte Gäb hinzu. Fotos: AP


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj