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Neues Internet-Protokoll

Etwa zehn Jahre soll die Einführung der neuen TCP/IP-Version dauern

Hamburg (cid) - Das Internet plazt aus allen Nähten. Im weltumspannenden Netz der Netze tummeln sich heute schon mehr als 40 Millionen Teilnehmer. Und täglich stoßen neue Datensurfer dazu, angelockt durch die bunte Vielfalt der Internet-Seiten und die Möglichkeit der globalen Kommunikation via E-Mail. Die "Internet Protokoll" (TCP/IP) genannte Basis- Software, bislang in Version 4, dient den Netzbetreibern dazu, die Datenbündel zwischen Absendern, Netzknoten und Empfängern hin- und herzuschicken (Routing). Doch der "Programm-Oldie" aus den siebziger Jahren könnte aufgrund mangelnder Verwaltungskapazität dafür sorgen, daß schon bald keine neuen Teilnehmer mehr zugelassen werden können.

Jede Adresse setzt sich nämlich bislang aus Zeichen mit einer Größe von nur vier Bytes (4 x 8/32 Bit) zusammen. Damit ist aber der Zeichenvorrat für alle Teilnehmeradressen bald erschöpft. Als das international verbindliche Internet- Protokoll festgeschrieben wurde, hat niemand mit einem solchen Teilnehmerboom gerechnet und daß 32 Bit pro Adresse schon so bald nicht mehr ausreichen würden. Inzwischen bastelt die IP Next Generation Group bereits an einer leistungsstarken Nachfolge-Version, genannt TCP/IPv6. Die sechste Neuauflage ist für eine Internet-Zukunft geplant, in der einmal, so Tim Pritlove anläßlich einer Veranstaltung des Hamburger Chaos Computer Clubs augenzwinkernd, "auch Fernseher, Taschenrechner oder gar Toaster miteinander kommunizieren sollen".

Künftig einheitlich 128 Bit

TCP/IPv6 verwaltet Adressen, die zukünftig statt 32 Bit gleich eine Länge von einheitlich 128 Bit haben werden. Pritlove: "Das ist doppelt soviel, wie mathematisch betrachtet nötig wäre. Aber man ist ja lernfähig und hat gleich etwas mehr eingeplant". Interessant ist eine weitere Möglichkeit von TCP/IPv6: Vorsorglich hat man für alle Regionen der Welt schon einmal geographisch orientierte IP-Adressen festgelegt. So soll es einem Laptop-Besitzer einmals von überall aus möglich sein zu kommunizieren. Und zwar, ohne daß er sich darum kümmern muß, ob er vom heimischen Tauberbischofsheim oder von Timbuktu aus im Netz agiert. Seine Netzanbindung soll nämlich durch automatische Abstimmung mit bestimmten Anbietern in definierten Netzabschnitten angepaßt werden.

Die neue Software erlaubt es zudem, den Weg festzulegen, den ein Datenpaket nehmen soll, beispielsweise über einen bestimmten Betreiber wie Eunet. Und sogenannte "Traffic Classes" erlauben in Zukunft eine Einteilung der verschiedenen Internet-Anwendungen nach Dringlichkeit: Eilige Daten bekommen also "Vorfahrt auf der Datenautobahn".

Authentifizierung von Absender und Empfänger von Daten

Und schließlich ermöglicht das neue TCP/IPv6 die genaue Authentifizierung von Absender und Empfänger von Daten sowie deren Verschlüsselung: Das bedeutet zum einen, daß Informationen vertraulich bleiben und gegen unbemerkte Manipulationen geschützt sind, zum anderen daß der Kommunikationspartner eindeutig identifizierbar ist. Für die Abwicklung von Geschäftsvorgängen oder die Übermittlung sensibler Daten ist diese Entwicklung von zentraler Bedeutung. Denn moderne Verschlüsselungsmethoden beschränken sich nicht nur darauf, Informationen für Außenstehende unlesbar zu machen, sie sollen zudem sicherstellen, daß sogenannte elektronische Unterschriften in Zukunft rechtskräftig sind.

Die Einführung der neuen TCP/IP-Version soll innerhalb der nächsten zwei Jahre beginnen und sich dann, so Tim Pritlove, vermutlich über zehn Jahre hinziehen. Von Thomas Brandenburg


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj