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Zusammenstöße zwischen Arbeitern und Polizei in Seoul:

Demonstrant zündete sich an

Gewerkschaftsbüros durchsucht - Führer verstecken sich in Kirche

Seoul (AP) - Der Konflikt um das neue Arbeitsrecht in Südkorea hat sich am Freitag in gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und 20.000 streikenden Arbeitern in Seoul entladen. Ein Lackierer des Autoherstellers Hyundai setzte sich dabei selbst in Brand, überlebte nach Angaben von Ärzten aber seinen Selbstmordversuch. Die Polizei durchsuchte Büros von vier Gewerkschaften. Mehrere Gewerkschaftsführer suchten Schutz vor Festnahme in einer katholischen Kirche oder versteckten sich in ihren Unternehmen.

Die Polizei feuerte zunächst Tränengas auf die Streikenden, wie die Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Danach sei es zu Zusammenstößen gekommen, bei denen 20 Menschen verletzt worden seien. Der Lackierer Chung Jae Sung übergoß sich mit einer brennbaren Flüssigkeit und zündete sich an. Wie Ärzte mitteilten, erlitt er schwere, aber nicht lebensgefährliche Verbrennungen. Hyundai gab die Schließung seines Autowerks auf unbestimmte Zeit bekannt und sperrte die organisierten Arbeiter aus.

Rücktritt von Präsident Kim gefordert

Etwa 1.000 der Demonstranten gelang es, bis zum Regierungssitz vorzudringen. Sie forderten die Rücknahme des umstrittenen Gesetzes und den Rücktritt von Präsident Kim Young Sam. Dieser erklärte zum wiederholten Male, die Proteste beenden zu wollen. In der katholischen Myongdong-Kathedrale, die während der Militärherrschaft Zufluchtsort für Dissidenten war, suchten sieben Führer der verbotenen Gewerkschaftsbewegung Asyl. Der Vorsitzende Kwon Young Gil erklärte, sollte die Regierung die Sicherheitskräfte zur Zerschlagung des Gewerkschaftsführung einsetzen, werde es zu einem Generalstreik kommen. Die Kathedrale wurde von Tausenden Arbeitern bewacht.

Regierung: Streiks sind illegal

Professoren und Vertreter der protestantischen Kirche stellten sich in öffentlichen Erklärungen hinter die Streikenden. Buddhistische Geistliche verlangten eine Überarbeitung des Arbeitsgesetzes, das die Regierung in einer Geheimsitzung des Parlaments am 26. Dezember ohne Anwesenheit der Opposition durchgepeitscht hatte.

Die Regierung warb unterdessen in großen Tageszeitungen für das Gesetz, das einen verminderten Kündigungsschutz vorsieht. Die Streiks seien illegal und das Gesetz sei nötig zur Wiederbelebung der Wirtschaft, hieß es in Anzeigen. Die Proteste haben nach amtlichen Angaben volkswirtschaftliche Verluste von umgerechnet 2,5 Milliarden Mark gekostet. Foto: AP


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:07 von aj