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. . . Erneut Ballonfahrt gescheitert

Bei Sonnenaufgang in der tief verschneiten Schweizer Ortschaft Chateau D'Oex hatte sich der "Breitling Orbiter" in die Luft erhoben. Die riesige Ballonhülle mit einem Volumen von rund 15 000 Kubikmetern und 42 Metern Höhe wurde in der Nacht aufgeblasen. Die Startentscheidung fiel aber erst in letzter Minute: Probleme mit einem Heliumventil hatten den ursprünglich für 04.00 Uhr geplanten Start verzögert. Eine Alarmlampe zeigte an, daß Helium aus dem Ballon entwich. Sicherheitsexperten arbeiteten die ganze Nacht über, doch wurde kein Defekt gefunden, wie Piccard dem Fernsehnachrichtendienst APTV sagte. "Es scheint, daß das ganze Helium im Ballon drin ist, obwohl das Alarmzeichen immer noch leuchtet. Wir werden nun mit dem Rotlicht abheben", sagte Piccard.

Unter den Zuschauern waren am Sonntag auch der vergangene Woche gescheiterte Richard Branson und mehrere Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees Branson wünschte Piccard und Verstraeten viel Glück für ihr Abenteuer. "Ich hoffe, daß Sie ans Ziel kommen." Falls sie jedoch ebenfalls scheitern sollten, gebe es "nächstes Jahr zur gleichen Zeit" einen weiteren Wettbewerb. Branson hatte in der vergangenen Woche ebenfalls kurz nach dem Start aufgeben müssen.

Piccard und Verstraeten sind erfahrene Ballonfahrer: 1992 gewannen sie das erste Transatlantik-Ballonrennen. Piccard ist Sproß einer weltberühmten Forscherfamilie: Sein Vater Jacques Piccard stellte 1960 einen Tiefenrekord im Ozean auf, und sein Großvater Auguste Piccard war 1931 der erste Mensch, der in die Stratosphäre aufstieg.

"Das letzte Wort wird die Natur haben"

Bevor er von Frau und Kindern Abschied nahm, sagte Piccard, er fühle sich "innerlich sehr aufgewühlt und sehr, sehr nervös". Im Westschweizer Fernsehen sagte er: "Bei einem Ballonstart ist man sich bewußt, daß die Technologie sehr wichtig ist. Aber das letzte Wort wird trotzdem die Natur haben."

Piccard und Verstraeten befanden sich in einer vier Tonnen schweren Kapsel. Die Fahrt sollte in rund 10 000 Meter Höhe über Nordafrika, die Türkei, Afghanistan, die Wüste Gobi, Korea, Japan, den Pazifik, die Vereinigten Staaten und den Atlantik zurück nach Europa führen. Dabei wollten die Ballonfahrer auf dem sogenannten Jet-Stream reiten, der Höhenwinde mit einer Geschwindigkeit von 300 bis 400 Kilometern pro Stunde mit sich führt. Foto: Reuter


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo