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Shell stellt Entsorgungsvorschläge für Ölplattform Brent Spar vor:

Fischfarm oder schwimmendes Hafentor?

London (dpa) - Die mit Schadstoffen belastete ausgemusterte Ölplattform Brent Spar könnte nach der gestoppten Versenkung möglicherweise doch noch dem Umweltschutz dienen. In Ringe zerlegt, könnte der ausgediente Stahlkörper an der englischen Ostküste mit Steinen und Sand gefüllt werden und damit der weiterer Erosion vorbeugen. Dieses Küstenschutzprojekt ist einer von elf Vorschlägen zur Entsorgung der Plattform, die der britisch-niederländische Ölkonzern Shell am Montag in London vorgestellte.

Shell hatte im Sommer 1995 nach wochenlangen Protesten vor allem der Umweltschutzorganisation Greenpeace und Verbrauchern die geplante, von der britischen Regierung bevorzugte Versenkung im Atlantik gestoppt. Seitdem war die Konzernleitung bestrebt, ein angeschlagenes Image zu bessern. Die nun vorgelegten Vorschläge wurden aus einem Ideenwettbewerb und nach Beteiligung zahlreicher Interessengruppen als bestmögliche Pläne ausgewählt.

Direktor Heinz Rothermund bezeichnete das Zwischenergebnis als "wichtigen Meilenstein" auf der Suche nach einer Lösung für die noch im norwegischen Erfjord bei Stavanger "geparkte" Brent Spar. Alle elf Vorschläge von sechs internationalen Firmen und Konsortien sehen als ersten Schritt das Anheben des 140 Meter hohen und 14.000 Tonnen schweren Stahlkolosses vor, um ihn transportieren zu können. Die weiteren Planungen reichen von kompletter Zerlegung der Konstruktion an Land bis hin zur Nutzung von einzelnen Bauelementen zur Dockerweiterung und zum Küstenschutz.

"Aufregender Wettbewerb"

Auch den Umbau zu einer Fischfarm oder zu einem Ausbildungszentrum nannte Eric Faulds, der für die Entsorgung zuständige Manager, auf einer Pressekonferenz als mögliche Alternative. "Dies ist ein aufregender Wettbewerb. Wir können überhaupt noch nicht sagen, wie die endgültige Lösung aussehen wird", fügte er hinzu.

Die sechs ausgewählten Firmen, darunter auch der deutsche Thyssen- Konzern, müssen nun bis Ende April detaillierte Pläne zur Nutzung des Stahlkolosses vorlegen. Anschließend will die Konzernleitung im "offenen Dialog" mit allen Beteiligten ein endgültiges Konzept auswählen, und der britischen Regierung bis zum Ende des Jahres unterbreiten. Faulds zeigte sich zuversichtlich, daß Anfang nächsten Jahres mit der Entsorgung begonnen werden könne. Eine Versenkung der Brent Spar mochte er dennoch nicht ganz ausschließen. Foto: AP


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj