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. . . Ratten und Insekten im Trend

Auf mindestens 70 Millionen schätzt der Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe, Herbert Bollhöfer, die Bewohner der 3,1 Millionen Aquarien in Deutschland. Auch die Zahl der Zier- und Volierenvögel liegt mit neun Millionen noch weit über der der Katzen, die allerdings mit sechs Millionen Exemplaren in zahllosen Rassen die Spitze der Vierbeiner im Haushalt bilden.

Domestizierte Wanderratte

Ein nur langsames Wachstum weist der Markt für Hunde auf. Deren Zahl stieg den Angaben zufolge seit 1991 um 400.000 auf fünf Millionen. Kleintiere wie Goldhamster oder Zwergmäuse bilden mit 3,6 Millionen Stück das Schlußlicht, aber gerade auf diesem Gebiet boomt der Markt.

Eine Vielzahl von 84 kommerziellen Ausstellern und 81 Vereinen stellt auf dem Messegelände unter dem Funkturm Hamster, Meerschweinchen, Hasen, Wüstenrennmäuse, Frettchen und Ratten vor. Erstmals wird laut Messechef Axel Thimm sogar die domestizierte Wanderratte vorgeführt. Der Rattenklub Berlin-Brandenburg macht sich für den Nager stark, der als klug gilt, aber als potentieller Zwischenwirt für die Übertragung der Pest seit jeher zwiespältige Gefühle auslöst. Dennoch: "Ratten scheinen im Trend zu liegen", sagte Thimm.

Künstliche Nachtschicht für den Hamster

Die Haltung von Hamstern unterliegt laut Bollhöfer einem Erkenntniswandel. Das nachtaktive Tier eignet sich nicht als erstes Haustier fürs Kind, sondern eher für alleinstehende Erwachsene. Auch benutzt man zur artgerechten Haltung nicht mehr den bekannten Drahtkäfig. Dafür gibt es inzwischen das Nachttier-Terrarium, das auf der Messe mit Zwerghamstern präsentiert wird. Darin wird die Nacht zum Tage gemacht und umgekehrt, so daß die Tiere am Tag durch verspiegelte Öffnungen in ihrer vermeintlichen Nacht beobachtet werden können. In der Nacht wird es dann im Terrarium hell, und die Hamster dürfen sich zum Schlaf verkriechen.

Auch auf andere Drahtkäfige reagierte Bollhöfer verärgert. "Grausige Gebilde" nannte er die runden Standardkäfige, in denen Papageien gehalten wird. "Es müssen mindestens zwei sein, denn Papageien sind soziale Wesen", betonte er. Ein gewisses Wachstumspotential sah der Präsident des Zentralverbandes Zoologischer Fachbetriebe auch in der Umrüstung auf größere Wellensittichkäfige. Die gängigen mit einem Kantenmaß von 60 Zentimetern seien zu klein, die Empfehlung der Fachleute laute auf 80 bis 90 Zentimeter.

Schmetterlinge: Haustiere für Fortgeschrittene

Als einzigartig in Europa gilt die Aquarien- und Terrarienschau, die wahre Unterwasserparadiese zeigt. Dazwischen gibt es seltene Landechsen wie den Grünen Leguan. Eine Premiere auf der Messe ist die exotische Welt farbenprächtiger Schmetterlinge, die allerdings als Haustiere nur für Fortgeschrittene in Frage kommen. Aber die Haltung von Heuschrecken erfreut sich wachsender Beliebtheit. Natürlich kommen auch Hund und Katze nicht zu kurz. Allein 50 Hunderassen werden von ebenso vielen Vereinen vorgestellt. Drei Katzenklubs präsentieren eine Vielzahl Haus- und Rassekatzen.

Und noch etwas lag Bollhöfer am Herzen: Die Unsitte, Kinder mit Tieren zu Weihnachten zu überraschen, klinge endlich ab. "Seit Jahren plädieren wir dafür, zunächst Literatur, Zubehör oder einen Gutschein zu verschenken." Das scheint gewirkt zu haben. Denn der Dezember zählt laut Bollhöfer zu den umsatzschwächsten Monaten beim Tierverkauf. Dagegen gibt es immer noch Tierhaltung aus Prestigesucht und falsch verstandener Tierliebe. Dadurch gerät die seriöse Tierhaltung immer wieder ins Schußfeld öffentlicher Kritik, wie Bollhöfer beklagte.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj