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PC-Pfarrer fordern von Kirchen ein . . .

Spannenderes Internet-Angebot

Friedberg (dpa) - Christliche Internet-Anbieter sollten nach Auffassung des Vereins "Pfarrer & PC" mehr spannende und provokative Inhalte in das weltweite Datennetz einspeisen. Das biete die Chance, Internet-Surfer in engeren Kontakt zur Kirche zu bringen, sagte der Vereinsvorsitzende, der evangelische Pfarrer Dirk Lange, am Dienstag zum Auftakt der Computermesse "Credo-Bit 97" in Friedberg. Bei der fünften Veranstaltung dieser Art präsentieren bis Donnerstag insgesamt 35 Software- und Online-Anbieter Produkte für den kirchlichen Bedarf.

Lange berichtete, es gebe den "Trend", daß Internet-Sufer freudig überrascht reagieren, wenn sie im Netz zufällig auf Angebote der Kirchen stießen. Diese Chance müsse genutzt werden. "Menschen werden erreicht, die Kirche nicht mehr im Blick haben", sagte Lange. Der zweite Vereinsvorsitzende, der Pastoralreferent Joachim Michalik, wies darauf hin, daß die Internet-Leitseiten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) täglich zwischen 2 500 und 4 000mal aufgerufen würden. Mit Gesprächen allein könne diese Nachfrage nicht befriedigt werden - "vor allem nicht zu diesem Preis", sagte Michalik.

Kritik an "Beichte im Internet"

Scharf kritisierte der Verein die seit einigen Wochen angebotene "Beichte im Internet". Damit seien die "Grenzen der sinnvollen Internet-Anwendung" erreicht, sagte Michalik. Bei diesem "Beichtprogramm" kann der Benutzer aus einem Sündenkatalog Verfehlungen wie Ehebruch auswählen und erhält von dem Programm im Gegenzug eine "Buße" auferlegt, etwa das viermalige Beten eines "Ave Maria". Michalik wies darauf hin, daß jede nicht von Angesicht zu Angesicht gespendete Lossprechung von Sünden - etwa durch das Telefon - nach katholischem Verständnis ungültig bleibe.

Zudem sei die "Beichte im Internet" nur auf die Vergangenheit gerichtet, helfe dem Beichten also nicht bei der künftigen Gestaltung seines Lebens. Auch müsse es der Lehre nach bei der Sündenvergebung zur Handauflegung des Priesters kommen, womit dem Beichtenden gezeigt werde, daß er in Vergangenheit und Zukunft unter der Obhut Gottes stehe. Ausdrücklich befürwortete der Verein hingegen die von den beiden großen Konfessionen angebotene Seelsorge per Internet, da es eine Kommunikation von Mensch zu Mensch gebe.

Auf Überraschungseffekte setzen

Lange forderte, die Kirchen dürfen nicht bei ihrem bisherigen Angebot stehenbleiben und auf Überraschungseffekte setzen, sondern sollten mit einem spannenden und nachdenklichen Angebot auch inhaltlich Anstöße geben. Als "Appetitanreger, die Lust machen", empfahl er etwa, mehr kurzgefaßte Artikel zu Grundlagen des Glaubens im Internet anzubieten. Der Computer wird nach Darstellung des Vereinsvorsitzenden mittlerweile in der Kirche weitgehend akzeptiert und ist in jeder größeren Gemeinde anzutreffen. Erstmals vorgestellte christliche Internet-Agenturen aus Wetzlar und Berlin bieten kirchlichen Einrichtungen gegen Mitgliedsbeiträge die Möglichkeit, sich im Netz zu präsentieren.

Der 1986 gegründete Verein "Pfarrer und PC" zählt nach eigener Darstellung 500 Mitglieder aus dem kirchlichen Bereich, neben Geistlichen auch Laien. Seine Aufgabe sieht er vor allem bei der Empfehlung von Software für den kirchlichen Bedarf. Foto: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj