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  • » Fortsetzung (Daytona weckte das Tier im Manne)
  • Moderne Technik: Navigationssysteme erobern die Autos

    Ferrari Daytona:

    Der Traum unter den Traumautos

    Maranello (gms) - Wenn die Jungs auf den Schulhöfen Ende der 60er Jahre ihre Auto-Quartetts auspackten, dann galt die Karte mit dem Daytona fast schon als Joker: Zwölf Zylinder, 352 PS, 282 Stundenkilometer Spitze, in 5,1 Sekunden auf hundert - da kamen die Ford Mustangs, Porsches oder Mercedes nicht mit.

    Doch der Keil aus Maranello zeigte nicht nur auf dem Quartett-Papier seine Qualitäten. Er war schon damals der Inbegriff eines Traumwagens. Und bis heute ist er eines der begehrtesten und faszinierendsten Automobile der Welt geblieben. Den ersten Blick auf die aufregenden Formen der Karosse konnten die Ferrari-Jünger auf dem Pariser Automobilsalon des Jahres 1968 erhaschen. Da stand er im Scheinwerferlicht, mit seiner unverschämt langen Schnauze, die selbst das Sex-Appeal eines Jaguar E-Type in den Schatten stellte. Statt mit freundlichem Gesicht mit ovalen Kuller-Augen zeigte sich der neue Ferrari angriffslustig. Die Front lief messerscharf zu, die Scheinwerfer blickten grimmig durch die Plexiglasabdeckungen.

    Kein zufälliger Designgag

    Dabei war die extreme Form beileibe kein zufälliger Designgag. Ferrari und sein Hausdesigner Pininfarina wollten nicht nur den Kunden etwas Besonderes zeigen, sie wollten auch der Konkurrenz gegenüber etwas klarstellen. Kurz zuvor hatte nämlich Lamborghini den heute kaum weniger legendären Miura vorgestellt. Ein Auto, das nicht mehr und nicht weniger sein sollte als ein straßentauglicher Rennwagen mit Mittelmotor. Der neue Ferrari sollte beweisen, daß man sich in Maranello nicht einschüchtern ließ.

    Name zu Ehren eines Ferrari-Sieges

    Daß der Neue alsbald nur noch als Daytona bekannt sein sollte, lag dagegen nicht im Sinne seiner Väter. Die hatten sich darauf beschränkt, dem Auto wie üblich den Hubraum eines einzelnen Zylinders als Namensstempel aufzudrücken. Und weil der Sportwagen unter der vorderen Haube einen auf nun 4,4 Liter Hubraum vergrößerten Zwölfzylinder trug, errechnete man kurzerhand die Bezeichnung 365, angereichert mit dem Buchstaben-Zahlen-Gewimmel GTB/4. Einen kleinen Beinamen hatte man ihm auch noch verpaßt: Nach dem Willen des Hauses sollte der 365 GTB/4 Tipo heißen. Doch da hatte Ferrari die Rechnung ohne die Fachjournalisten gemacht. Die einigten sich - zu Ehren eines Ferrari-Sieges im Vorjahr - auf den Namen der amerikanischen Rennstrecke Daytona.

    Ein knappes Jahr lang blieb es allerdings bei dem vorgestellten Prototypen und dem neuen Namen. Die ersten Autos rollten erst 1969 aus den Werkshallen, und die Fachzeitschriften in aller Welt hatten natürlich nichts eiligeres zu tun, als ihren heimlichen Traum eigenhändig zu erfahren. Was allerdings zu unterschiedlichsten Ergebnissen führte.

    Starkes Stück und dickes Ding

    Auf der Straße zeigte sich nämlich, daß der Daytona nicht nur ein starkes Stück, sondern auch ein ziemlich dickes Ding geworden war. Schließlich hatte er schier alles, was es an Luxus-Accessoires gab, mit sich und seinen 352 Pferdestärken herumzuschleppen. Ledersitze mußten ebenso sein wie eine Klimaanlage oder die elektrischen Fensterheber. Da half es auch nichts mehr, daß Ferrari dem Daytona Türen und Hauben aus leichtgewichtigem Aluminium mit auf dem Weg gab - mit seinen aufregend geformten gut 4,4 Metern Länge brachte der Sportler üppige 1,6 Tonnen auf die Waage.

    Einige amerikanische Tester verstiegen sich prompt zu der Behauptung, der Daytona sei "trucky", habe also unter bestimmten Bedingungen die Beweglichkeit eines schweren Lastwagens. Ein Gefühl, das allerdings auch der kritischste Tester verlor, wenn er das Gaspedal etwas stärker drangsalierte. Aus solchen Situationen sind dann plötzlich ganz andere Verhaltensweisen erfahrener Tester überliefert. Wie etwa jener US-Journalist, der es sich nicht nehmen ließ, bei einem Tempo von knapp 280 Stundekilometern einhändig zu lenken, um mit der anderen Hand schnell den Tacho zu fotografieren -sozusagen als Beweis. Fotos: dpa


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj