IVWPixel Zählpixel

Hohe Haftstrafe für Peter Graf gefordert

Staatsanwaltschaft: Jede Gelegenheit zur Steuerhinterziehung genutzt

Mannheim (AP) - Sechs Jahre und neun Monate Haft hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag für Peter Graf gefordert. Der Vater der Tennisspielerin Steffi Graf habe insgesamt 19,2 Millionen Mark an Steuern hinterzogen, sagte Oberstaatsanwalt Hubert Jobski vor dem Mannheimer Landgericht. Für den Mitangeklagten Joachim Eckardt halten die Ankläger eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten für gerechtfertigt. Staatsanwältin Gabriele Schöpf stellte außerdem den Antrag, die Haftbefehle gegen die beiden wieder in Vollzug zu setzen.

Nach Ansicht von Jobski hat das Strafverfahren gezeigt, daß die Angeklagten in fünf Fällen der einfachen und in zwei Fällen der schweren Steuerhinterziehung überführt wurden. Damit ist die Staatsanwaltschaft nicht der bisherigen Auffassung der Richter gefolgt, die nur von einfacher Steuerhinterziehung ausgegangen sind.

Dem Chefankläger Jobski zufolge hat Graf mit der Gründung von Briefkastenfirmen in Amsterdam, Liechtenstein und den Antillen Steuerflucht geplant. Der tatsächliche wirtschaftliche Mittelpunkt dieses Holland-Modells habe nämlich im badischen Brühl und damit im Bereich der deutschen Steuergesetzgebung gelegen.

Jobski widersprach in seinen Ausführungen der Auffassung der Verteidigung, daß die Behörden Graf eine stillschweigende Fristverlängerung zur Abgabe von Steuererklärungen gegeben hätten. Sowohl Graf als auch Eckardt seien mehrfach angemahnt worden, Einkünfte offenzulegen und die fehlenden Steuererklärungen von 1989 bis 1992 einzureichen.

Plädoyer der Verteidigung am Freitag

Regierungsrat Thomas Frischmann vom Finanzamt Mannheim-Neckarstadt hatte dem Gericht zuvor erklärt, Graf habe jede sich bietende Gelegenheit genutzt, keine Steuern zu zahlen - ob auf legalem oder illegalem Wege. Sein Ziel sei es gewesen, mit Fehlinformationen den Finanzbehörden eine ordnungsgemäße Besteuerung unmöglich zu machen. Dies erkläre, warum die Behörden einige Zeit für die Einleitung eines Strafverfahrens benötigt hätten. Nach Ansicht Frischmanns waren die Angeklagten sogar bereit, Steuererklärungen zu fälschen.

Jobski griff dies in seinem Plädoyer auf. Die Angeklagten hätten sich mit gezielter Desinformation und bewußt falschen Angaben hervorgetan. Die Langmut der Behörden sei massiv ausgenutzt worden. Schließlich sei Graf trotz seiner Alkoholprobleme als voll schuldfähig anzusehen. Dies habe ein psychiatrisches Gutachten festgestellt.

Der Prozeß wird am Freitag mit dem Plädoyer der Graf-Verteidigung fortgesetzt. "Wir werden uns am Freitag den Anträgen der Staatsanwaltschaft vehement entgegenstellen", kündigte Graf-Verteidiger Franz Salditt bereits an. Archivfoto: AP


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj