IVWPixel Zählpixel

Black Jack im Cyberspace:

Zocken im virtuellen Casino

Hamburg (gms) - Die Karten sind gemischt, das Spiel kann beginnen. Poker, Black Jack und Roulette erobern das Internet. Der Cyberspace wirbt mit hohen Gewinnen. Virtuelle Casinos versprechen vollmundig gute Siegchancen, digitales Geld soll sich in klingende Münze verwandeln. Die vielen Superlative lassen fast in Vergessenheit geraten, daß es beim Spielen auch Verlierer geben muß.

Dabei sind die Möglichkeiten, sein Geld im weltumspannennden Computernetz zu verlieren, vielfältig. Interaktive Internet-Casinos bieten unter anderem Lotto, Roulette, Bingo und die beliebten Einarmigen Banditen. Sie haben keine Öffnungzeiten, und eine Krawatte brauchen die Spieler auch nicht zu tragen. Sie bleiben anonym, müssen sich nicht mit anderem um filzbespannte Tische drängen. Niemand braucht sich vor der Familie, Freunden oder Bekannten für seine Leidenschaft rechtfertigen, das Finanzamt erfährt nichts von den Gewinnen. Auf einigen Homepages ist bereits nachzulesen, daß sich Anbieter und Börsen-Analysten gleichermaßen ein Milliardengeschäft versprechen.

Mit der Maus über den Spieltisch

Mit Hilfe der Technik kann jeder Personal Computer zum virtuellen Spieltisch werden. Um die Bank zu knacken, eröffnet der Spieler zunächst ein Konto bei dem jeweiligen Casino. Dazu wird das Geld entweder direkt überwiesen oder eine Kreditkartennummer angegeben. Aufwendige Verschlüsselungsprogramme sollen die Information vor dem unbefugtem Zugriff Dritter schützen. Schließlich wird am Bildschirm gewettet und gewürfelt, gepokert und gesetzt. Dabei klickt sich der Spieler ganz leicht mit der Maus durch das Casino.

Gewinn und Verlust sind auch im Computernetz reale Größen, werden dem Nutzer gutgeschrieben, als Barscheck versandt oder auch von seinem Konto abgebucht. Geschützt wird jede Transaktion durch ein zuvor vereinbartes Paßwort, daß nur der Bank und dem Spieler bekannt ist. Ein anderer Weg, die Zugangsberechtigung zu prüfen, funktioniert mit einer Art Scheckkarte. Die wird am heimischen PC in ein spezielles Lesegerät gesteckt und dient als elektronischer Ausweis.

Geschäftssitze in exotischen Ländern

Damit die verschiedenen nationalen Finanzämter den erwarteten Geldsegen nicht schmälern, haben viele Anbieter ihren Geschäftssitz in kaum bekannten Ländern und auf exotischen Inseln mit nachsichtigen Steuerbehörden gewählt. So wissen die Steuerbehörden oft nichts von den eventuellen Gewinnen, die aus Belize, Antigua, den Cayman-Inseln, Nassau oder den niederländischen Antillen am Fiskus vorbei auf das heimische Konto gelangen.

Nicht nur deshalb ist die Kombination aus Glücksspiel und PC für ihre Kritiker eine brisante Mischung. Ihren mahnenden Worten im Internet zufolge läßt sich kaum nachvollziehen, wo der Computer mit den elektronischen Glücksspielen tatsächlich steht. Unbekannt sei auch, wer oder was sich am anderen Ende der Leitung wirklich befinde. Anders als beim Croupier in Bad Reichenhall oder Bad Harzburg läßt sich ein Computer bei seiner Arbeit nicht über die Schulter sehen. Ob beim Roulette also wirklich der Zufall für den Ausgang des Spiels entscheidet, bleibt auf diese Art im Dunklen. Und niemand weiß, ob Würfel nicht elektronisch darauf getrimmt wurden, bestimmte Zahlen ganz besonders häufig zu zeigen.

Minderjährige nicht selten besser als Ermittlungsbeamte

Probleme bereiten auch die Spieler selbst. Wie will ein elektronisches Casino ohne Portier vor der Tür kontrollieren, wie alt sie sind und überhaupt mitspielen dürfen? Minderjährige Computerspezialisten beherrschen die Technik nicht selten besser als viele Ermittlungsbeamte. Wenn Kinder die Kreditkarte ihrer Eltern in die Finger bekommen, könnten sie Tausende Mark gewinnen. Oder verlieren.

Hinzu kommt das Risiko, von Hackern betrogen zu werden. Wenn es ihnen gelungen ist, bei der NASA und dem amerikanischen Geheimdienst CIA einzubrechen, was soll sie davon abhalten, ein paar Dollar oder gleich den ganzen Gewinn für sich abzuzweigen? Angesichts dieser Möglichkeiten würde wohl niemand auf die Werbug eines Casino-Betreibers wetten, Geld und Identität der Spieler seien gerade in der Karibik durch strenge Vorschriften geschützt.

Zudem gestaltet sich eine eventuelle Strafverfolgung aufgrund der zahlreichen Unterschiede in den nationalen Gesetzgebungen schwierig: Was in einem Land erlaubt ist, kann im nächsten schon verboten sein. Aus Deutschland ist es fast unmöglich, von einer Briefkastenfirma in den Tropen Geld zurückverlangen, warnen Verbraucherschützer.

Video-Poker-Konferenzen?

Unterdessen kündigen sich für die Zukunft immer neue Varianten im Spiel um das schnelle Geld im Computernetz an. Vielleicht werden digitale Dollars die elektronischen Brieftaschen wechseln, weil ihre Besitzer sich an Videospielen im Netz beteiligt haben. Vielleicht lassen sich am Monitor künftig Wetten zur Fußball- Bundesliga plazieren, vielleicht gibt es auch Video-Poker-Konferenzen. Bis es soweit ist, bietet die Homepage "http://www.eur.nl/frg/si/arjan/home.html" an der Erasmus-Universität in Rotterdam einen guten Einstieg in die Welt des Glücksspiels im Internet.

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj