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Wieder Mädchen-Leiche gefunden

Ermittler vermuten Zusammenhang mit Fall Kim - Noch keine heiße Spur

Jena/Varel/Amsterdam (dpa) - Wenige Tage nach dem Mord an der zehnjährigen Kim hat die Polizei in Thüringen die Leiche der seit August 1996 verschwundenen gleichaltrigen Ramona aus Jena (Foto) gefunden. Der schreckliche Verdacht der Ermittler: Zwischen beiden Fällen besteht ein Zusammenhang.

Im Mordfall Ramona fahnden die Ermittler jetzt ebenfalls nach einem dunkelfarbigen BMW, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Jena am Mittwoch. Bei der europaweiten Suche nach Kims Peiniger konnte die Polizei trotz zahlreicher neuer Hinweise bis zum Nachmittag den schwarz-metallic lackierten BMW 850csi mit dem Kennzeichen WW-ES 66 nicht aufspüren. In dem Auto wird der Entführer und Mörder der Viertkläßlerin aus dem niedersächsischen Varel vermutet.

Ramona ist nach ersten Ermittlungen der Behörden einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Suchtrupps entdeckten am Dienstag unter Eis und Schnee verborgene, stark verweste Leichenteile in einem Wald in Thüringen nahe der hessischen Grenze bei Eisenach. Den Hinweis gab ein Jäger: Er hatte Ramonas Schulranzen bereits am 2. Januar bei Treffurt 25 Kilometer von Eisenach gefunden. Erst nach Medienberichten über vermißte Kinder erinnerte er sich jetzt, daß das Namensschild an dem Ranzen auf den Namen Ramona lautete. Er informierte die Polizei.

Im August 1995 zum letzten Mal gesehen

Das Mädchen war im August des Vorjahres in einem Einkaufscenter in Jena zum letzten Mal lebend gesehen worden. Wochenlange Suchaktionen verliefen erfolglos. Der BMW, nach dem die Polizei jetzt fahndet, wurde im August in der Nähe von Ramonas Schule und Wohnort gesehen. Entsprechende Hinweise seien am Dienstag und Mittwoch im Zusammenhang mit dem Fall Kim eingegangen.

Unterdessen hielten die Polizei Hinweise auf den BMW im Fall Kim in Atem. Das Mädchen aus Varel war am Donnerstag vergangener Woche nahe ihrem Elternhaus entführt und ihre Leiche einen Tag später bei Amsterdam gefunden worden.

Im hessischen Vordertaunus nordwestlich von Frankfurt lief am Nachmittag eine Großfahndung, nachdem mehrere Zeugen unabhängig von einander den Wagen gesehen haben wollten. Ein angeblicher Entführungsversuch, über den zwei siebenjährige Mädchen in Oberursel berichtet hatten, entpuppte sich nach Angaben der Polizei am Nachmittag als ein "dummer Scherz" von älteren Mitschülern der Mädchen. Am Nachmittag sah ein Lkw-Fahrer nach eigenen Angaben den BMW mit dem Westerwälder Kennzeichen auf der A45 Gießen-Hanau.

Großfahndung blieb erfolglos

In der Nacht zuvor hatte ein Portier geglaubt, den mit Phantom- Bild gesuchten Mörder erkannt zu haben, der in einem dunklen BMW davongefahren sei. Am Morgen wollten Zeugen den gesuchten Wagen dann auf der Autobahn A64 zwischen Trier und Luxemburg und am Vormittag auf der A81 in Baden-Württemberg an der Grenze zu Bayern gesehen haben. Eine Großfahndung blieb aber erfolglos.

Auch die niederländische Polizei erhielt nach drei Fernseh- Sondersendungen rund 150 Telefonanrufe zum Fall Kim. Ein Polizeisprecher wies darauf hin, daß es bisher keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit Kinderprostitution in den Niederlanden gebe. Das Motiv des Mörders bleibt weiter im dunkeln. Mediziner stellten fest, daß das Kind erstickt, aber nicht sexuell mißbraucht wurde.

Unterdesssen drückten Mitschüler, Eltern und Lehrer der Grundschule von Kim in einem Brief ihre Trauer aus: "Warum mußte sie sterben? Warum? Könnte sie doch wieder zurückommen! In uns ist soviel Traurigkeit, Angst und Wut." Der Deutsche Kinderschutzbund forderte nach einem Bericht der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" den Einsatz verdeckter Ermittler bei der Verfolgung von organisiertem Kindesmißbrauch. Archivfoto: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj