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. . . Kims Mörder geständig

Den Ermittlungen zufolge spielte sich das Verbrechen so ab: Der Täter entführte die zehnjährige Kim am Donnerstag vergangener Woche vor ihrem Elternhaus in Varel und verschleppte sie in das Haus seiner Eltern, die verreist waren. Nachdem er "sexuelle Handlungen" an ihr vorgenommen hatte, erdrosselte er das Mädchen: "Weil er befürchtete, ansonsten wiedererkannt zu werden", erklärte Kempermann. Anschließend fuhr er mit der Leiche in die Nähe von Amsterdam und warf sie in einem Wald aus dem Auto.

Grenzschützer wurden aufmerksam

Sofort danach muß der Kaufmann am Freitag nach Dänemark gefahren sein. Bei der Ausreise kontrollierten ihn zwei Grenzschützer; er hatte keinen Führerschein dabei. "Die Beamten bemerkten, daß er ziemlich nervös war", sagte Kempermann. Außerdem erinnerten sie sich daran, daß er etwa eine Woche vorher schon einmal ohne Fahrerlaubnis ertappt wurde. Sie nahmen eine Anhaltemeldung auf, ließen den Mann aber weiterfahren. Als sie am nächsten Tag das Phantombild des mutmaßlichen Mörders in der Zeitung sahen, informierten die Grenzschützer die Polizei.

Der Verdächtige fuhr allerdings keinen BMW 850, nach dem die Polizei aufgrund von Zeugenaussagen gefahndet hatte, sondern einen dunkelgrünen Mazda Xedos (Foto) mit Westerwälder Kennzeichen WW. Die Polizei observierte den ersten Wohnsitz des Mannes in Rheinland-Pfalz, sein Elternhaus und eine weitere Adresse. Als ein Mobiles Einsatzkommando ihn am Tatort festnahm, leistete er keinen Widerstand.

Parallelen zum Fall Ulrike Everts weiter geprüft

Der Mann ist laut Polizei selbständiger Kaufmann, der mit Haushaltswaren und Geschenkartikeln handelt. Vor 16 Jahren erdrosselte er ebenfalls in Friesland ein elfjähriges Mädchen mit einem Schal. Vorher hatte er sie sexuell mißbraucht. Wegen Totschlags wurde er zu sechs Jahren Haft verurteilt, wovon er laut Staatsanwalt Gerhard Kayser nach zwei Dritteln der Zeit entlassen wurde. Danach fiel er der Kriminalpolizei nicht mehr auf.

Ob er mit weiteren Sexualverbrechen zu tun hat, wußte die Polizei noch nicht. Für Verbindungen zum Fall der ermordeten zehnjährigen Ramona (Foto) aus Thüringen gibt es "keine konkreten Anhaltspunkte", wie Fahnder Andreas Bunte sagte. Beamte der Jenaer Sonderkommission fuhren am Donnerstag nach Oldenburg. Nicht ganz ausschließen wollte Bunte dagegen, daß der 34jährige etwas mit dem Verschwinden der 13jährigen Ulrike Everts aus der Gegend von Oldenburg zu tun habe. Das Mädchen wird seit Sommer 1996 vermißt. Über Verbindungen zu Pornohändlern hätten die Ermittlungen nichts ergeben.
Claus-Peter Tiemann, Fotos: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo