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Horumersiel erinnert sich an einen Mörder

Horumersiel (dpa) - "Damals, im Januar 1979, als so viel Schnee lag." So beginnen Donnerstag mittag alle Gespräche in dem niedersächsischen 1000-Seelen-Ort Horumersiel (Kreis Friesland). Spätestens seitdem am Morgen die ersten Journalisten die Winterruhe im Dorf hinter dem Deich störten, wissen sie: Der Mörder der zehnjährigen Kim, der hier am Vortag in der Pension seiner Eltern festgenommen wurde, ist ein ihnen allen bekannter Mann und ein Wiederholungstäter.

"Der schon wieder"

"Der schon wieder", sagt ein Mann auf der Straße, der seinen Namen nicht nennen möchte. Als 16jähriger hatte der geständige Täter die damals ebenfalls zehnjährige Silke aus Horumersiel sexuell mißbraucht, sie dann erdrosselt und in einer Schneewehe vergraben.

In der historischen Gastwirtschaft des kleinen Ortes, die während der Winterpause gerade renoviert wird, spricht das Wirtsehepaar mit einem befreundeten Ehepaar aus Bremen über die Folgen für Horumersiel. Nachdenklich versuchen sie zu verarbeiten, daß der freundliche, im Sommer von Touristen überschwemmte Ort jetzt als "Heimat eines Doppelmörders" gebrandmarkt werden könnte.

"Gott sei Dank sind die Eltern gerade in Urlaub", sagt der Wirt nach einem Besuch bei der Nachbarin. Die beiden leben seit Jahren in Horumersiel und sind hochangesehen. Die Menschen in Horumersiel reagieren gegenüber Reportern sehr zurückhaltend. Einige bieten den Einheimischen vergeblich Geld für Namen und Adressen.

"Nicht an den Pranger der Medien stellen"

Auf die Unterstellung enttäuschter Journalisten, sie wollten "doch nur einen Mörder schützen", reagieren die Bürger empört. Im Ort ist man sich einig: Die Eltern und der eineiige Zwillingsbruder des Festgenommenen "gehören nicht an den Pranger der Medien". Karin Güthlein, Foto (Wohnhaus des mutmaßen Mörders): dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo