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  • Siehe auch die Dokumentation: Scientology betreibt Gehirnwäsche

  • Beckstein "wie ein Nazi-Demagoge"

    München/Los Angeles (dpa) - Die Scientology-Organisation hat den Vorwurf der Internierung von Abtrünnigen mit persönlichen Angriffen auf Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) erwidert. Der Minister marschiere "wie ein Nazi-Demagoge im Stechschritt" und sei in seiner Kritik wie ein "unwissender Fanatiker", erklärte Scientology-"Präsident" Heber Jentzsch in Los Angeles.

    Das Ministerium wies den Angriff in München als "plumpe Polemik" zurück.

    Beckstein wisse nichts von Scientology, erklärte Jentzsch. "Nach seiner Logik wären katholische Kloster als 'Gulags' und 'Konzentrationslager' einzustufen, weil es dort keine Heizung gibt, keinen Sex, die Haare abgeschnitten werden und es wenig oder keinen Kontakt zur Außenwelt gibt", meinte der Scientology-Chef. Der Angriff des Ministers sei hemmungslos und bösartig.

    Keine inhaltliche Stellungnahme

    Ministeriumssprecher Michael Ziegler nannte es am Donnerstag bezeichnend, daß Scientology nicht inhaltlich zu den Vorwürfen Becksteins Stellung nehme. "Ich kenne keine Kloster mit Stacheldraht, halbautomatischen Waffen und Zyanid", sagte er.

    Beckstein hatte am Vortag unter Berufung auf Berichte von Scientology-Aussteigern über die Existenz mehrerer Scientology- Strafkolonien berichtet. Die Lagerinsassen müßten schwarze Uniformen tragen und dürften keinen Kontakt zur Außenwelt haben. Als Orte nannte Beckstein Hemet rund 100 Kilometer östlich von Los Angeles sowie Clearwater im US-Bundesstaat Florida, Sydney (Australien), Saint Hill (England) und Kopenhagen (Dänemark).

    Ums Sekten-Auditing gedrückt

    Unterdessen warf Bayerns Innenstaatssekretär Hermann Regensburger (CSU) Scientology Mißachtung des Bundestags vor. Die Organisation habe sich nicht den Fragen der Enquetekommission Sekten und Psychogruppen gestellt, um nichts über das totalitäre System der Sekte und deren menschenfeindlichen Psychomethoden preiszugeben.

    "Scientology weiß genau, daß bei Fragen der Parlamentarier und unabhängiger Experten ihre Behauptung, eine harmlose Religionsgemeinschaft zu sein, wie ein Kartenhaus zusammengebrochen wäre", meinte Regensburger. Die Weigerung sei "das verdeckte Eingeständnis, daß ihre Behauptungen nichts anderes sind als Lug und Trug". Die Behauptung, die Mehrheit der Kommissionsmitglieder sei befangen, sei "eine unerhörte Beleidigung" des Gremiums. Foto (Scientologe Tom Cruise und Frau): Archiv


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo