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Sepp Herberger: Experte, Stratege, Symbolfigur

Mannheim (dpa) - Sepp Herberger zählt seit dem Weltmeisterschaftssieg 1954 zu den populärsten Persönlichkeiten Nachkriegs-Deutschlands. Den 3:2-Triumph am 4. Juni des Jahres über die damals für unschlagbar gehaltenen Ungarn im Berner Wankdorfstadion hatte Herberger mit einer List vorbereitet. Er setzte im Gruppenspiel gegen die Ungarn ein Reserveteam ein, das 3:8 verlor und den Gegner in der eigenen Einschätzung der Unschlagbarkeit bestärkte.

Der am 28. März 1897 in Mannheim geborene Sportlehrer tat sich in den 20er Jahren beim SV Waldhof Mannheim als Mittelstürmer hervor. 1936 wurde Herberger Nachfolger des Reichstrainers Otto Nerz und nach dem Zweiten Weltkrieg erster Bundestrainer vor Helmut Schön (1964- 1978), Jupp Derwall (bis 1984), Franz Beckenbauer (bis 1990) und Berti Vogts. In den 28 Jahren als Verantwortlicher für die Nationalmannschaft errang Herberger mit dem Team in 162 Spielen 92 Siege. Er war neben Nerz der Schöpfer der sogenannten "Breslau-Elf", die 1937 mit zehn Siegen in elf Spielen ihre Glanzzeit hatte. Bei der Weltmeisterschaft 1938 in Frankreich scheiterte die umformierte Mannschaft, die durch den Anschluß Österreichs zu einem "großdeutschen" Team geworden war, frühzeitig.

Herberger, der 1977 verstarb, war ein großer Stratege und Taktiker des Fußballs. Fritz Walter, der Regisseur der WM-Elf von 1954 aus Kaiserslautern, und die Nationalspieler nannten den autoritären aber väterlichen Mann "Chef". Berühmt geworden sind seine "einfachen Wahrheiten" wie "der Ball ist rund" und "ein Spiel dauert 90 Minuten". Herberger hat einmal selbst über sich gesagt: "Niemand in Deutschland versteht soviel von Fußball wie ich."


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj