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Bayerische Filmpreise vergeben

München (AP) Ein alter Hase des Filmgeschäfts und das Erstlingswerk einer Newcomerin sind die großen Gewinner des Bayerischen Filmpreises 1997: Helmut Dietls Gesellschaftssatire "Rossini" und Caroline Links Gehörlosen-Drama "Jenseits der Stille" heimsten am Freitag abend im Münchner Cuvillies-Theater die meisten Auszeichnungen aus der Hand des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber ein.

Großer Bahnhof auch für die "Grande dame" des deutschen Films, Marianne Hoppe. Die 85jährige erhielt den Ehrenpreis für ihr Lebenswerk.

Starregisseur Helmut Dietl (Bild) wurde mit dem mit 60 000 Mark dotierten Regiepreis ausgezeichnet, weil er nach Ansicht der Jury mit seinem Streifen "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schläft" ein genaues Sittenbild der Mediengesellschaft liefert. Messerscharfe Dialoge und eine glänzende Schauspielertruppe, der "man die Freude am subversiven Spiel anmerkt", erzeugten eine satirische Distanz zum Stoff. Gleich zwei "Rossini"-Schauspieler erhielten denn auch Darstellerpreise: Heiner Lauterbach für seine Rolle als wankelmütiger Filmproduzent und Nachwuchs-Mime Jan Josef Liefers für seine witzige Verkörperung eines Dichters. "Rossini" kommt am nächsten Donnerstag in die Kinos.

Die 32jährige Caroline Link, die als einer der derzeitigen Shooting-Stars des deutschen Films gilt, wurde mit dem Nachwuchsregiepreis geehrt. Mit "Jenseits der Stille" (Szenenfoto) sei ihr ein wunderbares Erstlingswerk gelungen, das ein Familiendrama mit einer großen Liebesgeschichte vereine, hieß es in der Laudatio. Hohe Anerkennung verdiene auch die sensible Regiearbeit mit den gehörlosen Darstellern. Der Streifen erzählt die Geschichte eines Mädchens, dessen Vater und Mutter taubstumm sind. Die Produzenten des Films - Jakob Claussen, Thomas Wöbke und Luggi Waldleitner - und der Komponist der Filmmusik, Niki Reiser, wurden ebenfalls ausgezeichnet.

Der Bayerische Filmpreis, der für "hervorragende Leistungen im deutschen Filmschaffen" in diesem Jahr zum 18. Mal verliehen wird, ist mit insgesamt 800 000 Mark dotiert.

Hoppe als "Jahrhundertereignis" geehrt

Als "eine der Größten" der deutschen Film- und Fernsehgeschichte ehrte Ministerpräsident Stoiber die Ehrenpreisträgerin Marianne Hoppe. Die jetzt in Oberbayern lebende Mimin sei "ein Jahrhundertereignis" der Schauspielkunst. Die 85jährige habe mit ihren Rollen von "Effi Briest", dem Urknall ihrer Filmkarriere, bis hin zu ihrem Auftritt in Dietls Erfolgsfilm "Kir Royal" eine Brücke bis in die Gegenwart geschlagen. Mit ihrer strengen Wahrhaftigkeit sei die gebürtige Rostockerin die Ehrenretterin der Schauspielkunst.

Zu den weiteren Preisträgern gehörte die Komödie "Irren ist männlich", deren Autorin Kit Hopkins mit dem Drehbuchpreis geehrt wurde. Kameramann Carl-F. Koschick erhielt den Kamerapreis für "meisterhafte Lichtgestaltung" in dem Streifen "Stille Nacht". Die Auszeichnung für den besten Dokumentarfilm ging an Stefan Schwietert für seinen Film "A Tickle in the Heart" über die Karriere zweier jüdischer Klezmer-Musiker in New York. Den Sonderpreis verlieh die Jury dem Regisseur Wolfgang Panzer für seinen Low-Budget-Kassenschlager "Broken Silence". Fotos: RZ-Archiv


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo