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. . . Trauer um Kim Karlow

"Wir hatten nur Glück, daß wir nicht dort waren" als Kim ihrem Mörder in die Hände fiel, hat ein Mädchen aus Kims Umgebung in ein Gebet geschrieben, das Pfarrer Bernd Göde der 800 Köpfe zählenden Trauergemeinde am Freitag vorliest. "Sie war wie ein Reh mit dem Löwen in der Steppe allein", endet das Gebet, das die Verzweiflung des Opfers in Erinnerung ruft und zugleich Mitgefühl und Ängste anderer Kinder in Worte faßt. Viele der Angehörigen, Freundinnen und Mitschüler hörten es blicklos und blaß, andere Trauernde kämpften mit Tränen.


Wer einen Halt für seine Augen sucht, findet ihn im weißen Kindersarg. In der Mitte eines Blumenmeeres aus Rosen und Gerbera in Kränzen und Sträußen ist er unter dem mächtigen frühgotischen Geviert der trutzigen friesischen Feldsteinkirche vor dem Altar aufgebahrt. Sichtbar von Schmerz gezeichnet, hat die Mutter von Kim beim Betreten der Kirche in kurzer Andacht vor dem Sarg verharrt.

Kinder werden "nahezu unbehelligt belästigt"

Pfarrerin und Mutter Brigitte Göde, um Festigkeit in der Stimme bemüht, beschränkt sich nicht auf religiösen Trost für die Trauernden. Mehr Verantwortung für Kinder fordert sie in ihrer Predigt, die dabei beinahe zur Phillippika wird. In einer Gesellschaft, in der Kinder "nahezu unbehelligt belästigt und als Produkt vermarktet" werden, müßten alle "zukünftigem Übel vorbeugen". Sich eine heile Welt vorzugaukeln, sei der falsche Weg. Realistisch müsse man sehen. Gottseidank gebe es auch Menschen, die Täter jagten.

Im Fürbittgebet wird der Pfarrer noch deutlicher: Die politisch Verantwortlichen sollten prüfen, ob die Strafen für Mißbrauch von Kindern und Kinder-Pornographie nicht zu milde seien. "Menschen, die nichts Böses getan haben, werden bestraft. Menschen, die etwas Böses getan haben werden nicht bestraft. Das mußt Du ändern!", zitiert Göde dazu aus dem Gebet eines Vareler Jungen.

"Ich möchte, daß Kim wieder zurückkommt"

"Ich möchte, daß Kim wieder zurückkommt. Aber das wirst wohl selbst Du nicht schaffen", läßt eine Mitschülerin die Trauergemeinde von ihrer stillen Zwiesprache mit Gott wissen. Dann tragen Eltern und Freunde Kim zu Grabe. Manfred Protze, Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo