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Prozeß gegen Peter Graf:

"Opfer fragwürdiger Berater"?

Mannheim, 17. Januar (AFP) - Im Prozeß gegen Peter Graf wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe hat die Verteidigung den Vater der Tennisspielerin Steffi Graf als "Opfer fragwürdiger Berater" bezeichnet.

Verteidiger Franz Salditt sagte am Freitag vor dem Landgericht Mannheim, Grafs steuerliche Berater hätten bei seinem Mandanten "eine falsch Erwartungshaltung geweckt und gestützt". Die Profis hätten den Amateuer "ein Stück auf die Eiger-Nordwand des Steuerrechts gebracht und ihn dann an der Wand" mit seiner beschränkten Einsichtsfähigkeit alleingelassen. Graf sei ein einsamer und unberatener Mann gewesen, kein Steuerstratege. Zudem habe Graf sein Steuersparmodell nicht erfunden; es sei von Boris Beckers Berater Ion Tiriac vorgemacht worden. Am Abend vertagte das Gericht die Verhandlung auf kommenden Montag; dann wird die Verteidigung Grafs ihr Plädoyer abschließen.

Schuldig durch Unterlassen

Nicht durch aktives Tun, sondern durch passives Unterlassen hat sich Graf nach den Worten Salditts im wesentlichen schuldig gemacht. Seine "Steuerverkürzung" könne deshalb nicht als besonders schwere Tat gewertet werden, wie das die Staatsanwaltschaft tue. Salditt und der zum Verteidigerteam gehörende Steuerberater und ehemalige Steuerfahnder Berthold Wipfler schrieben den Finanzbehörden eine erhebliche Mitverantwortung zu. Wipfler sagte, die Steuerbehörden hätten Graf getäuscht. Finanzämter hätten mit der Eröffnung des Strafverfahrens so lange gewartet, bis für Graf die Situation unumkehrbar geworden sei. Wipfler zufolge sind die Steuerschulden längst bezahlt; der einzige Schaden für die öffentliche Hand bestehe in einem Zinsverlust.

Vom Schicksal gebeutelter . . .

Salditt erinnerte auch daran, daß Graf während der Tatzeit unter ungeheurem öffentlichem und psychischem Druck gestanden habe. Damals war er von dem Callgirl Nicole Meißner bezichtigt worden, Vater ihres 1990 geborenen Kindes zu sein. Grafs damaliger "persönlicher Niedergang", seine "selbstzerstörerische Tendenzen", seine Alkoholprobleme und sein insgesamt zögerliches und ratloses Verhalten in der Steuerproblematik lasse die Beurteilung der Staatsanwälte nicht zu, es handele sich um einen besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung.

. . . oder gewinnsüchtiger Machtmensch?

Sollte Graf nur wegen einfacher Steuerhinterziehung durch Unterlassung verurteilt werden, würde dies ein deutlich geringeres Strafmaß bedeuten als die von der Staatsanwaltschaft am Dienstag geforderte eine Haftstrafe von sechs Jahren und neun Monaten. Im Plädoyer der Staatsanwaltschaft hieß es, Graf sei ein gewinnsüchtiger Machtmensch, der an Fäden gezogen und seine Mitarbeiter wie Marionetten kontrolliert habe. Grafs ehemaliger Berater Joachim Eckardt soll demnach als Mittäter für vier Jahre und neun Monate hinter Gitter. Das Gericht hatte allerdings bereits angedeutet, daß die Finanzverwaltung es Graf bei der Steuerhinterziehung "allzu leicht gemacht" habe.

Urteil in einer Woche

Das Urteil wird am Freitag kommender Woche verkündet. Nach dem Prozeßverlauf wird damit gerechnet, daß das Gericht unter dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß bleiben wird. Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo