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Politbarometer:

Regierung im Stimmungstief

Hamburg (dpa) - Die Bundesregierung ist nach der jüngsten Umfrage des ZDF-Politbarometers im Meinungstief. Die Bonner Opposition kann davon allerdings nicht profitieren. 58 Prozent der Deutschen beurteilen die Arbeit der Regierung als schlecht, nur 17 Prozent glauben, die SPD würde es besser machen. Mehr als die Hälfte der Deutschen (65 Prozent) ist der Ansicht, daß es keinen Unterschied machen würde, ob SPD oder Union an der Spitze einer Regierung stünde.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, gäbe es ein Kopf-an-Kopf- Rennen. Die Union käme auf 42 Prozent (unverändert), die SPD auf 33 (minus eins), die Grünen auf zwölf, die FDP auf fünf, die PDS auf vier (alle drei unverändert), die sonstigen auf vier Prozent, teilte das ZDF am Freitag mit.

Schröder hätte Vorsprung vor Kanzler Kohl

In der Frage nach dem Regierungschef wurde erstmals in dieser Legislaturperiode ein Vorsprung für den SPD-Herausforderer ermittelt, allerdings nur, wenn es sich um den niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder handelt. Im direkten Vergleich würden 45 Prozent Schröder unterstützen, 42 Prozent Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Gegenüber einem Herausforderer Oskar Lafontaine liegt Kohl klar vorn. Für den Kanzler votierten 49 Prozent, für den SPD-Bundesvorsitzenden 35 Prozent.

Unter den Anhängern der Regierungskoalition ist eine klare Mehrheit für eine erneute Kandidatur Kohls (CDU/CSU 80 Prozent, FDP 55 Prozent). In der Bevölkerung insgesamt ist je die Hälfte (48 Prozent) dafür beziehungsweise dagegen.

Rita Süssmuth fiel tief in der Gunst

Durch die Diskussion um ihre Dienstflüge ist Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) im Ansehen der Bevölkerung tief gesunken. Sie fiel in der Rangliste der zehn wichtigsten Politiker vom Spitzenplatz im Monat Dezember zurück auf Platz acht. Das ist nach ZDF-Angaben der tiefste Sturz eines Politikers, der je vom Politbarometer gemessen wurde.

Beim nach wie vor wichtigsten Thema, der Arbeitslosigkeit, glaubt eine wachsende Zahl von Bürgern nicht an die Möglichkeit, die Zahl der Erwerbslosen bis zum Jahr 2000 zu halbieren (92 Prozent nach 87 Prozent im Februar 1996). 39 Prozent meinen, daß sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland nach dem Jahreswechsel noch etwas verschlechtert hat. Einen Aufwärtstrend erwarten lediglich zwölf Prozent.

Hohe Renten besteuern

In der Diskussion um die Steuerreform sind die Deutschen uneins, wie Steuersenkungen gegenfinanziert werden sollten. 39 Prozent sind für eine höhere Mehrwertsteuer, 40 Prozent für eine zusätzliche Energiesteuer. Deutliche Unterstützung findet die Bonner Koalition mit ihrem Vorschlag, besonders hohe Renten zu besteuern. Dies halten 62 Prozent für richtig. Unter den Rentnern sind es sogar 72 Prozent.

Für das ZDF-Politbarometer befragte die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen Mitte Januar 1285 Wahlberechtigte. Die Fehlertoleranz liegt den Angaben zufolge bei den großen Parteien bei 2,5 Prozentpunkte, bei den kleineren bei rund 1,5 Prozentpunkte.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jo