IVWPixel Zählpixel

Nach dem Rauswurf von Arason bei Wallau

Schwalb bringt sich ins Gespräch

Kljaic und Bredemeier winken ab - Auch Kontakte zu Armin Emrich

Neuss (sid) Der höchsten Saisonpleite folgte die Konsequenz: Die SG Wallau-Massenheim, die vor dieser Saison auf dem Transfermarkt mächtig klotzte, um an glorreiche Europapokal-Zeiten anzuknüpfen, schickte Trainer Kristjan Arason zwei Tage den 27:36-Desaster gegen TuS Nettelstedt in die Wüste. "Ich habe Arason in den zurückliegenden Wochen immer gestützt, aber nach der sportlichen Talfahrt mit zuletzt 3:7 Punkten und dem Tiefpunkt gegen Nettelstedt mußte gehandelt werden", begründete SG-Manager Bodo Ströhmann die Beurlaubung des Isländers.

In der Gerüchteküche um die Nachfolge von Arason brodelt es bereits mächtig. Und vielleicht entscheiden sich die Verantwortlichen sogar für eine überraschende Variante. Kapitän Martin Schwalb (Foto) legt am 12. März seine Trainerprüfung ab. Der Regisseur scheint nicht abgeneigt zu sein, Verantwortung zu übernehmen und sagt: "Die Aufgabe würde mich reizen, ich traue mir das zu. Auch die Mannschaft würde dahinterstehen. Es hilft uns jedenfalls nichts, wenn wir jetzt hoppla-hopp einen Trainer holen." Laut Schwalb trainiert sich die Mannschaft momentan selbst. Zwei prominente Vertreter der Trainerzunft, die in die Diskussion geworfen wurden, haben beim Ex-Meister vorerst abgesagt. "Bodo Ströhmann und ich sind gute Freunde. Ich habe von der SG aber kein Angebot und will die Probleme beim TUSEM lösen", sagt Velimir Kljaic, Goldschmied Kroatiens in Atlanta, einstiger "Meistermacher" bei Wallau und zur Zeit in Diensten des Liga-Konkurrent aus Essen.

Beurlaubung für Wallau ein teurer Spaß

Der frühere Nationaltrainer Horst Bredemeier erklärt sich unterdessen solidarisch mit Arason: "Ich stehe nicht zur Verfügung, ich bin nicht bereit, für einen Kollegen einzuspringen, der keine Schuld am Mißerfolg hat." Allerdings hat die SG mit Armin Emrich, der als Schweizer Nationaltrainer ausgeschieden ist, Kontakt aufgenommen. Die Beurlaubung von Arason, vor Saisonbeginn für den Schweden Björn Jilsen verpflichtet, wird für den deutschen Exmeister und IHF-Cupgewinner von 1992 wohl ein teurer Spaß. Denn der Vertrag des 35 Jahres alten Isländers läuft bis zum 30. Juni 1998. "Ich habe den Spielerrat beauftragt, Wege zu suchen, um sich in den nächsten Tagen selbst aus dem mitververschuldeten Schlamassel herauszuziehen.

Die Art und Weise, wie sich die Mannschaft gegen Nettelstedt präsentiert hat, war beschämend und eine absolute Frechheit. Die Spieler sollen sich bewußt sein, daß es nicht nur um die Existenz unseres Vereins, sondern auch um ihre geht", kritisierte Ströhmann das Verhalten der Stars und kündigte nach dem Scheitern im DHB-Pokal beim Zweitligisten VfL Bad Schwartau und dem enttäuschenden fünften Platz in der Bundesliga mit acht Pluspunkten Rückstand auf Spitzenreiter Lemgo eine härtere Welle an. Schwalb, "Handballer des Jahres", nahm die herbe Kritik des SG-Bosses zur Kenntnis, fügte aber hinzu: "Daß wir kein Konzept haben und rumlaufen wie Falschgeld, ist auch klar." Der gefeuerte Arason will derweil die Rolle des Buhmannes nicht akzeptieren: "Natürlich trage ich eine gewisse Mitschuld, aber ich nehme nicht alles auf meine Kappe." Joachim Neußer; Foto: Archiv


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von jp