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Erstmals in Deutschland geborenes . . .

Rind an BSE verendet

Seehofer und Borchert sehen keine Gefahr für Verbraucher - Expertentreffen

Bonn (AP) - Zum ersten Mal ist ein in Deutschland geborenes Rind an BSE verendet. Die Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten bestätigte am am Dienstag den Verdacht auf Rinderwahn bei dem Ende Dezember im ostwestfälischen Landkreis Höxter gestorbenen Rinder der schottischen Rasse Galloway. Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium in Bonn erklärten, für Verbraucher gebe es kein neues Risiko.

Im Gegensatz zu den vier BSE-Fällen, die 1994 in Deutschland aufgetreten waren, stammte nicht das 1992 geborene und am 27. Dezember verendete Tier, sondern dessen Mutter aus Großbritannien. Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer erklärte, der Nachweis der Erkrankung sei als ein weiterer Beleg dafür zu werten, daß Rinderwahn nicht nur über BSE-verseuchtes Tiermehl, sondern auch von der Kuh auf das Kalb übertragen werden könne. Zusammen mit Landwirtschaftsminister Jochen Borchert lud Seehofer für (den morgigen) Mittwoch Staatssekretäre aus Bund und Ländern, oberste Veterinärbeamte und Wissenschaftler zu einem Treffen nach Bonn.

Beide Ministerien betonten, nachdem die BSE-Übertragung vom Muttertier auf das Kalb bekanntgeworden sei, seien bereits vergangenen August weitere Schutzmaßnahmen ergriffen worden. So seien die letzten in Deutschland geborenen Nachkommen von Rindern, die nicht aus BSE-freien Beständen in Großbritannien stammten, wie alle aus diesem Land importierten Rinder unter amtliche Beobachtung gestellt worden. Tiere aus solchen Beständen dürften nicht verkauft und nicht geschlachtet werden.

Beim Expertentreffen soll auch darüber beraten werden, ob diese Importrinder und ihre Nachkommen getötet und vernichtet werden müssen. Die neuen Maßnahmen sollen dann auch für alle Tiere aus der Schweiz gelten, die ebenfalls unter amtlicher Überwachung stehen und für die auch ein Abgabe- und Schlachtverbot gilt. Seehofer forderte, darüber hinaus müsse auch die Europäische Kommission schnellstmöglich Vorschläge für einheitliche Maßnahmen vorlegen.

Meldungen über Hühnerwahnsinn "unseriös"?

Bei der Untersuchung des toten Tieres waren nach Angaben des Veterinäramtes des Kreises Höxter die bei Rinderwahn typischen "schwammartigen Aufweichungen des Hirns" festgestellt worden. Das betroffene schottische Hochlandrind stammte von einer inzwischen geschlossenen Öko-Farm in Mecklenburg-Vorpommern. Es war 1992 in Deutschland geboren worden, das Muttertier stammte aber aus Großbritannien. Rinderwahn, an dem in Großbritannien mehr als 160.000 Tiere verendet sind, steht im Verdacht, auch beim Menschen Gehirnerweichung (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) hervorzurufen.

Der Deutsche Bauernverband betonte, Rinder deutscher Herkunft seien BSE-frei. Die hiesige Landwirtschaft habe eine lückenlose Kennzeichnung aller Rinder etabliert, durch die eine vollständige Kontrolle gewährleistet werden könne. Die Unionsfraktion forderte nach Angaben ihres agrarpolitischen Sprechers Egon Susset die Bundesregierung auf, am kommenden Mittwoch im Ernährungsausschuß des Bundestags über den Stand der Untersuchungen und die Hintergründe zu informieren.

Als unseriös bezeichneten das Bundeslandwirtschaftsministerium und der Bundesverband der Geflügelschlachtereien Meldungen, wonach auch bei einer Legehenne in England "Hühnerwahnsinn" aufgetreten sein soll. Ein Experte des Ministeriums betonte im Hessischen Rundfunk, es gebe andere Krankheiten wie Geflügelpest, die ähnliche Symptome verursachten. Graphik: Reuter


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj