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Fahrsicherheitstraining:

"Ins Schleudern kommen Sie sowieso"

München (gms) - Antischlupfregelung, ABS, aktives Fahrwerk, Allradantrieb: "Was soll mir noch passieren?", denken viele Autofahrer, wenn sie in ihrem Auto mit den neuesten Sicherheitsfeatures sitzen. Doch die größte Gefahr des Autofahrers ist der Mensch hinter dem Lenkrad. Unkenntnis, mangelnde Erfahrung oder Selbstüberschätzung machen ihn zum Sicherheitsrisiko.

Viele Fahrer bemerken nicht einmal die drohende Gefahr, die sich über ihnen zusammenbraut und rauschen ahnungslos ins Unglück. Wer falsch reagiert, landet im harmlosesten Fall im Straßengraben. Ärgerlich und überflüssig. Denn wer Auto und Situation kennt, kann im richtigen Moment gelassen reagieren und sein rutschendes Auto wieder unter Kontrolle bringen. Üben kann jeder. Autoclubs, Fahrschulen, TÜV-Verbände aber auch Automobilhersteller veranstalten in vielen Städten und Gemeinden regelmäßig Fahrsicherheitskurse.

Keine "Schleuderkurse" für Möchtegern-Rennfahrer

Bis in die 70er Jahre waren die meisten Fahrtrainings noch "Schleuderkurse" für Möchtegern-Rennfahrer. Eine Bezeichnung, die Peter Seemann vom ADAC in München gar nicht gerne hört. "Ins Schleudern kommen bei uns zwar auch die meisten", sagt der Fahrsicherheitstrainingsleiter. "Doch sowohl Inhalte als auch Trainingsmethoden haben sich in den letzten Jahren entscheidend gewandelt." "Integrative Schulung" lautet das Stichwort, nach dem die ADAC-Instruktoren auf 40 festen und 17 mobilen Trainingsplätzen Anfängern und Berufsfahrern die Kernelemente sicheren Fahrens vermitteln. Soll heißen: Ausgehend von Erfahrungen, Wünschen und Erwartungen der Teilnehmer werden Gefahrenlehre, Fahrphysik und Fahrpraxis an das alltägliche Fahrerlebnis gekoppelt.

Auf dem Unterrichtsplan stehen zum Beispiel das richtige Sitzen und Lenken, Fahrtechniken, Bremsen mit und ohne ABS, Kurvenübungen, Ausweichmanöver, Lenkslalom. "Am Ende eines Ausbildungstages sollte jeder in der Lage sein, Gefahrensituationen zu meistern, zumindest aber zu erkennen und zu entschärfen", sagt Peter Seemann. Ähnliche Sicherheits-Kurse und -Konzepte bieten auch die anderen großen Automobilclubs wie Automobilclub von Deutschland (AvD), Auto Club Europa (ACE) und Automobil-Club Verkehr (ACV). Die Kurse werden von ihren jeweiligen Regional- und Landesverbänden organisiert und kosten je nach Angebot und Mitgliedschaft zwischen 80 und 160 Mark. Die Teilnahme wird außerdem von vielen Berufsgenossenschaften bezuschußt.

Beim Training im eigenen Auto zu vorsichtig

Teilnehmen kann jeder, der einen gültigen Führerschein Klasse 3 besitzt. Und auch ein verkehrssicheres Auto sollte jeder Teilnehmer in der Regel selbst mitbringen. "Es geht ja darum, sein eigenes Auto im Verkehr zu handhaben", sagt Peter Seemann. Die Erfahrungen zeigen aber auch, daß viele Teilnehmer dann bei den Übungen allzu vorsichtig zu Werke gehen. Deshalb werden bei den Fahrtrainings der Automobilhersteller wie Mercedes, BMW, Saab oder Mitsubishi in der Regel die Fahrzeuge gestellt. Allerdings schlägt sich das auch in den Preisen nieder. So darf man zu Schulungszwecken für 190 Mark in einem Mercedes Platz nehmen, bei Saab kostet das Training auf dem Nürburgring zwischen 210 und 240 Mark, und Mitsubishi verlangt gleich 550 Mark für sein Sicherheitstraining.

"Abenteuer am Polarkreis"

Zusammen mit dem Training halten viele Hersteller darüber hinaus attraktive Locations für Fortgeschrittene oder Incentive-Seminare im Angebot. Vom 16. bis 23 Februar bricht beispielsweise BMW nach Lappland zum "Abenteuer am Polarkreis" auf, Fahrzeuge und kulturelles Beiprogramm inklusive. Und auch Porsche drängt es in den Norden. Zwar muß man für rund 1 000 Mark noch das eigene Fahrzeug zum zweitägigen Grundkurs auf den Nürburgring oder Hockenheim fahren. "Kein anderer stellt Autos für 170 000 Mark zur Verfügung", sagt Porsche Marketing-Frau Claudia Schäffner. Doch bei dem viertägigen Trainings-Trip nach Finnland vom 17. bis 21. März inklusive Flug, Unterkunft, Verpflegung und Hundeschlitten-Rennen darf man dafür unter den kritischen Augen von Rallye-As Rauno Altonen im neuen Carrera Kurven in den Schnee schneiden. Preis: 5 600 Mark. Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj