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  • Siehe auch: Fahrsicherheitstraining trotz ABS und Allradantrieb

    Ein Denkmal für den Trabant:

    Die "Rennpappe" wird 40

    Zwickau (gms) - Alte Liebe rostet nicht - und tatsächlich scheint auch die Liebe zur guten alten "Rennpappe" ungebrochen. Der kleine Zweitakter aus Sachsen bestimmt zwar nicht mehr das Straßenbild in den neuen Bundesländern und ist von bundesdeutschen Autobahnen fast gänzlich verschwunden, aber totzukriegen ist er offensichtlich nicht: Der Zwickauer Kleinwagen Trabant wird in diesem Jahr 40 - und soll sogar ein Denkmal bekommen.

    Obwohl die Zahl der zugelassenen Trabanten schwindet: Auch rund sechs Jahre nach der Produktionseinstellung ist das Ostauto als Zweitwagen oder Nahverkehrsmittel vor allem in den neuen Bundesländern noch in Betrieb. Immer häufiger trifft man heute auf liebevoll gepflegte, raffiniert aufgemotzte und originell gestylte Trabis - sogar im Westen.

    Die Geburt des kleinen Zwickauers datiert auf den Oktober '57. Bis zum Jahresende liefen die ersten 50 Trabant P 50 als sogenannte Nullserie vom Band, weitere 100 folgten bis zum Beginn der Serienproduktion am 01. Juli 1958. Zu diesem Zeitpunkt wurden die beiden Zwickauer Automobilfabriken Horch und Audi zum Werk Sachsenring zusammengelegt. Seinen Namen erhielt der Trabant durch den ersten Sputnik, der 1958 die Erde umkreiste.

    Luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor

    Vorher wurde im Horch-Werk seit 1947 der Lastwagen H3 gebaut, 1955 begann man mit der Fertigung einer Eigenentwicklung, der Limousine Sachsenring P 240. Im Audi-Werk wurden seit 1948 Autos der F-Reihe gebaut. Der Ifa F9 wurde hier zur Serienreife entwickelt und dann ab 1953 nach Eisenach verlagert - wo später aus dem F9 der Wartburg 311 beziehungsweise 353 wurde.

    In Zwickau wurde der Trabant P50 zunächst als Limousine gefertigt, mit luftgekühltem Zweizylinder-Zweitaktmotor (500 Kubikzentimeter/18 PS) und der weltweit ersten Stahlgerippe-Karosserie mit Kunststoff-Beplankung. Die "Plaste" war ein aus Baumwollabfällen und Kunstharz unter Druck und bei hoher Temperatur gepreßtes Material, das sich als recht widerstandsfähig erwies. Der Verkaufspreis betrug damals 7 450 Mark. 1959 kam dann die Kombi-Variante, es folgten 20-PS-Motor und im P50/2 ein synchronisiertes Viergang-Getriebe sowie ab 1962 der P60 (23 PS/600 Kubikzentimeter).

    2.819.622 Fahrzeuge von 1964 bis 1991

    Im Zeitraum 1964 bis 1991 wurden 2.819.622 Fahrzeuge des Typs Trabant 601 mit nunmehr 26 PS starkem Motor gebaut. Trotz aller Mühen der Zwickauer Autobauer bis hin zur Aufnahme der dritten Schicht -die Nachfrage nach der "Rennpappe" konnte nie befriedigt werden. DDR-Bürger mußten bis zu 14 Jahre auf ihr Auto warten. Auch der bis zuletzt auf 14.500 Mark angestiegene Verkaufspreis änderte nichts an den langen Wartezeiten.

    Die DDR-Führung verhindert ab 1965 in zunehmendem Umfang alle Bestrebungen der Modernisierung: Die neue Karosseriegestaltung des Trabant 601 war das letzte große Erfolgserlebnis der Sachsenringwerker. Nachfolgetypen wie der P603 (1969/70), das Ostblock-Einheitsauto (1973) oder die Variante P610 mit Ganzstahl-Karosserie und Viertaktmotor (1978) - alles fiel der Pankower Politik zum Opfer. Besonders SED-Politbüro-Mitglied Günther Mittag war ein Gegner neuer Autotypen. Für Arbeiter reicht der Trabant, verlautete es immer wieder aus Berlin.

    Ende mit der Wende

    Mit der Wende im November '89 nahte das Ende des mittlerweile technisch völlig überholten Kleinwagens. Auch ein noch zu DDR-Zeiten konzipierter "Herzschrittmacher" in Form eines Viertakt-Motors von Volkswagen (Immerhin 1 043 Kubikzentimeter Hubraum und 40 PS) konnte ein Überleben nicht gewährleisten. Zwar wurden bis April 1991 noch genau 38 685 Trabant 1.1 gefertigt. Doch am 30. April 1991 rollte die Legende auf Rädern letztmalig vom Band - nach insgesamt 3 096 099 Exemplaren.

    40 Jahre Planwirtschaft hatten auch dem VEB Sachsenringwerk im Westen der Muldestadt Zwickau hart zugesetzt. Denn gearbeitet wurde mit täglich zunehmender, im Westen nicht vorstellbarer Improvisationskunst. Heute fertigt Volkswagen in neuen Werkhallen in Mosel bei Zwickau. Von ehemals mehr als 12 000 Beschäftigten in der Zwickauer Automobil-Industrie sind bei VW-Mosel (Werk III) heute knapp über 3 000 beschäftigt.

    Weiter mit dem Uni 1

    Davon etwa 500 im Gelenkwellenwerk - und 900 im ehemaligen Werk I, der heutigen Sachsenring Automobiltechnik GmbH. Hier wird derzeit Sachsens Automobilindustrie neu belebt. Kurz vor Jahresende '96 wurde in den ehemaligen Flugzeughallen am Dresdner Airport mit dem Uni 1 ein zukunftsweisendes Automobil vorgestellt - mit Elektro-Motor und Dieselaggregat (TDI-Motor), einem sogenannten Hybrid-Antrieb also. Der Serienstart ist für 1999 geplant.

    Doch der Trabant ist nicht vergessen - zum 40. Geburtstag soll dem kleinen Zweitakt-Sachsen ein Denkmal spendiert werden. Nur zu welchem Zeitpunkt, darüber stritten sich die Initiatoren lange. Aktueller Stand: Gedenkstunde '97, Denkmal-Einweihung im Sommer '98. Vorher trifft man sich 1997 wieder zum mittlerweile schon traditionellen Internationalen Trabant-Fahrer-Treffen in Zwickau vom 20. bis 22. Juni. 1 300 Teilnehmer und 30 000 Besucher werden erwartet, um den 40. Geburtstag der kleinen Legende zu feiern. Fotos: dpa


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj