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Automatenindustrie erhofft sich Untersützung von Politik

Dart- und Simulationsspiele sind Renner

Eröffnung der Messe IMA in Frankfurt - Clement weiß Branche zu gefallen

Frankfurt/M (AP) - Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte das Publikum auf seiner Seite: Ein paar Spielchen seien für die meisten doch nur harmlose Unterhaltung, sagte der SPD-Politiker zur Eröffnung der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten (IMA) am Mittwoch in Frankfurt am Main. Die Unternehmer wußten es zu schätzen. Der Branchenumsatz ist zwar stabil - Renner sind derzeit Dartspiele und große Simulatoren. Doch stehen Gesetze Profitsteigerungen im Wege.

Die Branche ist sich ihres Images bewußt und hat sich bereits Selbstbeschränkung auferlegt. So haben alle Geräte nach einer Stunde Spieldauer eine dreiminütige Zwangspause. Zudem trägt jeder Automat seit dem 1. Januar einen Aufkleber, der darauf aufmerksam macht, daß übermäßiges Spielen keine Lösung persönlicher Probleme sei.

Doch ist der Anteil der krankhaften Spieler dem Jahrbuch Sucht '97 zufolge gestiegen: zwischen 1993 und 1995 von 29.839 auf 51.140. Clement zufolge ist dies aber nur weniger als ein Prozent aller regelmäßigen Spieler. Denn, betonte der Minister, für die meisten sei das Spielen ein Ausgleich für die Belastungen am Arbeitsplatz. Zudem würden Spielstätten in Zeiten vermehrter Freizeit zur sozialen Institution.

Und schließlich ist da noch der wirtschaftiche Aspekt: Nach Angaben des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie (VDAI) hat die Branche in Deutschland insgesamt 100.000 Beschäftigte. Die Umsätze stiegen 1996 weiter an. Allein bei den Aufstellern wuchs er um zwei Prozent auf sechs Milliarden. Aufsteller von Warenautomaten hatten einen Umsatz von 15 Milliarden, wovon 80 Prozent auf Zigaretten entfielen.

Erstmals Internetautomat vorgestellt

Ein Renner auf der IMA sind Dartspiele. "Das ist der Trend überhaupt", sagte Dieter Schonard, Kundenberater einer großen Firma. Derzeit werfen in Deutschland etwa drei Millionen Menschen die Pfeile. Aber auch Simulationsspiele sind gefragt. Dabei scheint es fast nichts mehr zu geben, was der Spieler nicht auf dem Bildschirm erleben könnte: ob es nun ein beherzter Ski-Alpin ist oder eine Fahrt mit dem Wave-Runner durch eine wellengespickte Meeresbucht.

Natürlich hat auch die Automatenbranche das Online-Fieber erfaßt. Erstmals vorgestellt wurde ein münzbetriebener Internetanschluß, der nach Angaben der Hersteller auch von absoluten Computerlaien benutzt werden kann. Auf Tastatur und Maus wird verzichtet, alle Befehle werden über einen Touchscreen eingegeben. Im Internet sieht die Branche einen der Zukunftsmärkte. Der Vorteil des Automaten sei, daß er überall - etwa auf Flughäfen, in Hotels und an Tankstellen - aufgestellt werden könne.

Industrie: Sperrzeiten angleichen

Allzugroße Sorgen braucht sich die Branche offenbar nicht zu machen. Dennoch erhofft sich die Automatenindustrie von der Politik Entgegenkommen: Der VDAI-Vorsitzende Paul Gauselmann mahnte bei der Eröffnungsfeier eine überarbeitung der Spielverordnung an. So sollten künftig bei einer Ladenfläche von mehr als 150 Quadratmetern statt bisher zehn künftig zwölf Automaten erlaubt sein. Zudem müßten die Sperrzeiten für Spielotheken denen von Gaststätten angeglichen werden.

Auch Clement ist der Ansicht, daß die Regelungen "ein bißchen verhaltener sein könnten". Immerhin schätze die Europäische Union das Volumen des Glückspielgeschäfts allein in den Mitgliedstaaten auf rund 800 Millarden Mark. Und ein "innovationsfreundlicher rechtlicher Rahmen" sei schließlich Bedingung, um im globalen Wettbewerb konkurrieren zu können. Foto: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj