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Siehe auch (von gestern):

  • Das Kondom im Cyberspace
  • Börsenfieber im Internet
  • "DanceMachine"
  • Elektronischer Maßschneider
  • "Die Fugger II" auf CD-Rom
  • "Raveshuttle"

  • Radiohören im Internet

    Hamburg (gms) - Radiosender aus aller Welt dringen ins Internet. Rockmusik aus Kolumbien, Staumeldungen aus dem Süden Finnlands und Konzertkritiken aus Australien sind hier ebenso vertreten wie die aktuellen Sportergebnisse aus den USA. Die Hörer rund um den Globus wählen ihr Programm statt mit einem Drehregler am Radio bequem mit dem Mausklick.

    Doch obwohl die Daten digital übertragen werden, ist das Radio aus dem Internet kein reines Vergnügen in CD-Qualität. Der Klang erinnert eher an die frühen Kindertage des Rundfunks. Damals war der Hörer eher Techniker als Konsument, hatte seinen Apparat noch selber zusammengebaut, drehte unablässig an der Drahtantenne, um Stimmen und Musik aus dem Äther zu filtern. Die Tonqualität blieb trotz aller Bemühungen meist miserabel. Ähnlich verhält es sich heute im Internet.

    Blechern und verrauscht

    Die Aufbruchstimmung ist euphorisch. Aber wenn es dem Hörer vor dem PC, Mac- oder Unix-Rechnern gelungen ist, die nötige Software richtig zu konfigurieren, klingt das Hörfunkprogramm trotz Soundkarte und Anschluß an die Stereoanlage nicht selten blechern und verrauscht wie ein billiges Taschenradio.

    Die digitalisierten Beiträge benötigen für ihre Übertragung schnelle Datenleitungen. Solche sind jedoch eher selten, weshalb der Datenstrom schon einmal verebben oder ganz abreißen kann. Ärgerlich, wenn es während einer spannenden Reportage geschieht. Von diesen Einschränkungen abgesehen sind die Möglichkeiten des Internet-Radios aber vielversprechend.

    Vergänglichkeit des gesprochenen Wortes

    Der große Vorteil des Radios ist seine Schnelligkeit, sein großer Nachteil die Vergänglichkeit des gesprochenen Wortes. Dem wollen einige Sender nach eigenen Angaben unter dem Stichwort "audio on demand" abhelfen. Der Begriff steht für ein Programm auf Abruf, das sich der Hörer zu Hause selbst zusammenstellt. Dabei läßt sich das Angebot gleich komfortabel nach Interessengebieten und Themen sortieren. So aufbereitet sollen sich die Beiträge der vergangenen Stunden, Tage oder sogar Wochen bestellen und auf den eigenen Rechner herunterladen lassen.

    Nur wenige Sender bringen echtes Online-Programm

    Zwar sind viele Sender mit einer Homepage im Netz vertreten, doch ein echtes Programm bieten nur wenige. Der Nachrichten- und Informationskanal BR 5 des Bayrischen Rundfunks in München ist einer von ihnen - und nach eigener Auskunft der einzige Sender in Deutschland, der live im Internet vertreten ist. Hörer aus Deutschland und der ganzen Welt können sich über ihre Computer von jedem Telefonanschluß aus live vom Schreibtisch in sein laufendes Programm einschalten.

    Möglich wird das durch die Mithilfe des Forschungszentrums für Informationstechnik (GMD) in Sankt Augustin bei Bonn. Mit allerlei technischen Tricks machen es die Techniker möglich, daß zum Empfang der Beiträge bereits ein übliches 14 400-Modem ausreicht. Dafür wird das Programm von BR 5 digitalisiert und auf großen Festplatten komprimiert gespeichert.

    Den Empfang zu Hause bewerkstelligt eine kostenlose Software namens "Streamworks". Das Programm des amerikanischen Herstellers Xing ist beim BR kostenlos zu haben und kann mit einer mitgelieferten Anleitung in einen ohnehin nötigen Web-Browser wie Netscape integriert werden. Das Konkurrenzprodukt "RealAudio" leistet ähnliches und ist im Internet gleichermaßen frei erhältlich.

    Hörer aus aller Welt

    BR 5 hat inzwischen viele Hörer aus aller Welt gefunden, wie zahlreiche E-mails belegen. Die elektronischen Nachrichten kommen unter anderem aus Japan, Mexiko und Australien und berichten von einer größtenteils guten Tonqualität an ihrem Ende der Leitung. Die BR 5-Homepage zitiert beispielsweise einen amerikanischer Studenten, der mit Hilfe des deutschen Vollprogramms seine Sprachkenntnisse auffrischt.

    Ein anderer Hörer freut sich über ein Ende des Mitschneidens von Beiträgen auf Tonband. Und außer mit seinem Lob wird ein Neuseeländer mit der Frage verzeichnet, wann es denn endlich Fernsehbilder in Echtzeit geben werde. Ein Ehepaar aus Boston schließlich hat sich eigens neue Lautsprecher in die Küche gestellt, um den Bayrischen Rundfunk beim Frühstück zu hören.

    "Betätigungsfeld für die Juristen der GEZ"

    Einen Hörer aus Deutschland hingegen beschäftigt anderes. Das Stichwort "öffentlich- rechtlich" auf der BR 5-Homepage hat bei ihm die Alarmglocken schrillen lassen. Schließlich lasse sich im Computernetz nach Datenaufkommen abrechnen. Muß er nun für seinen Netz-Zugang Rundfunkgebühren zahlen? Werden die Kosten nur dann fällig, wenn Lautsprecher an den Rechner angeschlossen sind? Oder schon, wenn nur ein Web-Browser installiert ist? Solche Fragen seien ein "bislang unbeackertes, wenngleich interessantes Betätigungsfeld für die Juristen der GEZ", meint er. Auf solche neuen Regelungen, nach denen die Gebühren-Einzugs-Zentrale in Köln möglicherweise auch Netzbetreiber und Computer-Nutzer zur Kasse bitten könnte, ist BR 5 nach eigenen Angaben ebenfalls gespannt.

    Informationen: Unter "http://www.audionet.com/" und "http://www.radiotv.com" erschließen Suchmaschinen das weltweite Angebot der Internet-Radios. Der Münchener Nachrichten- und Informationskanal BR 5 findet sich unter "http://www.br-online.de/". Das Decodierungsprogramm "RealAudio" läßt sich unter "http://www.realaudio.com/" beziehen, die Konkurrenz bietet "Streamworks 2.0" unter "http://www.xingtech.com/" an.


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:08 von aj