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. . . Besucher aus der Wiege des Sonnensystems

Die große Menge an ausgespuckter Materie ist für die außergewöhnliche Helligkeit von Hale-Bopp verantwortlich. Er werde einer der vier oder fünf hellsten Kometen in diesem Jahrhundert sein, sagt West. Berichte über ein Auseinanderbrechen des Kerns, wie sie im vergangenen Jahr ein Hobbyforscher in die Welt setzte, träfen nicht zu. "Der hat einen Stern im Hintergrund mit einem Teil des Kometen verwechselt", erklärt West. Falls der Komet wirklich brechen sollte, was völlig ungewiß und eher unwahrscheinlich sei, werde er noch heller werden.

Ein Jahrhundertereignis werde es auch mit intaktem Kern sein, da es noch nie möglich war, einen derart hellen Kometen mit der ausgefeilten Technik unserer Zeit zu beobachten. Eine Gruppe von 35 europäischen Astronomen wird den Kometen ab März untersuchen, um mehr über seine Zusammensetzung - und damit über unser Sonnensystem - zu erfahren.

"Wenn man einen Kometen beobachtet, blickt man auf Materie, die vor viereinhalb Milliarden Jahren gebildet wurde", sagt der französische Astronom Michel Festou. "Es ist eine Art Zeitreise." Die Bestandteile des Kometen sind in etwa die Bausteine der Gasscheibe, aus der sich unsere Sonne und später die Planeten formten. Wer also mehr über Kometen erfährt, lernt mehr über den Ursprung unseres Sonnensystems.

Hale-Bopp kam schon öfter vorbei

Der Komet hat die Erde schon öfter besucht, zuletzt vermutlich vor 3000 bis 5000 Jahren. Er stammt ursprünglich wohl aus der Oortschen Wolke, einem Kometenreservoir, das unser Sonnensystem weit draußen im All umgibt. Von dort trat er seine Reise zur Sonne an, vermutlich ausgelöst durch eine Kollision zweier Asteroiden. Aufgrund seiner Leuchtkraft wurde er bereits gesichtet, als er noch mehr als zehn Millionen Kilometer von der Sonne entfernt war. Andere Kometen werden erst im Abstand von weniger als fünf Millionen Kilometer entdeckt.

Die große Helligkeit des Kometen ist ein Glücksfall für die Astronomen. Denn sie erlaubt relativ kurze Meßzeiten. Die Forscher können so die grundlegenden Fragen, die sie haben, in einer Stunde erledigen. Dann bleiben ihnen weitere Stunden für andere Bereiche, für die keine Basisdaten vorhanden sind. "Die interessantesten Ergebnisse sind die, über die keinerlei Vorhersagen existieren", meint Mike A"Hearn von der Universität von Maryland in den USA. Er wird etwa im Kern nach Schwefel und den Edelgasen Neon und Argon suchen. Aus dem Verhältnis der Gase könnte sich die Temperatur berechnen lassen, bei der der Komet gebildet wurde.

Nun werden ein paar Blicke auf Hale-Bopp nicht das Rätsel der Sternentstehung lösen, aber die Wissenschaftler erwarten sich zumindest mehr Datenmaterial für ihre Rechenmodelle. Sie sehen die Dinge nüchtern. "Es gibt so vieles, wovon wir noch keine Ahnung haben", sagt der US-Astronom Hal Weaver. "Hale-Bopp wird uns einen großen Schritt voranbringen, aber wir werden nicht alle Antworten in dieser Kristallkugel finden." So werden die Wissenschaftler aufgeregt an ihren Teleskopen sitzen und auch dem Rest der Welt wird der Komet ein faszinierendes Schauspiel bieten. Norbert Aschenbrenner


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von jo