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Billig-Sonde soll Mondwasser finden

Hamburg (dpa) - Die sensationelle Meldung über einen Eissee in einem Krater am Südpol des Mondes hat die für September 1997 geplante amerikanische Mission Lunar Prospector überraschend aufgewertet. Von der Niedrigpreis-Sonde wird nun erwartet, daß sie sehr schnell die nach langwieriger Auswertung von Radarbildern des US-Raumfahrzeuges Clementine aus dem Jahre 1994 entdeckten Vorkommen gefrorenen Wassers auf dem Mond verifizieren kann.

Eine Bestätigung der jetzigen Vermutungen wäre von enormer Bedeutung für eine mögliche Besiedlung des Erdtrabanten in der Zukunft, meinte am Freitag der US-amerikanische Verteidigungsminister,

Die am 25. Januar 1994 gestartete Sonde Clementine war in erster Linie als Demonstrationsobjekt im Rahmen einer amerikanischen Raketenabwehr im All gedacht. Ihren größten Erfolg hatte sie dann allerdings in einem Experiment, auf das die Forscher erst bei ihrem Eintritt in den Mondorbit kamen. Im April 1994 wurde der Hauptsender von Clementine dazu benutzt, um Funksignale auf den Nord- und auf den Südpol des Mondes zu richten und das Echo mit einer 70-Meter- Antenne der amerikanischen Raumfahrtbehörde (NASA) auf der Erde zu empfangen.

Radar-Handschrift

Gesteins- und Eisoberflächen haben unterschiedliche Eigenschaften, die sich an den Merkmalen der von ihnen reflektierten Radarstrahlen offenbaren, sozusagen in einer Art Radar-Handschrift. Die aus dem Krater vom Mondsüdpol zurückgeworfene Strahlung ließ nun an einer bestimmten Stelle die "Handschrift" erkennen, die für das Auftreffen auf eine Eisschicht charakteristisch ist. Es sollte indessen zwei Jahre dauern, bis das Clementine-Ergebnis am 29. November vergangenen Jahres in dem amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlicht werden konnte.

Nach Meinung von Paul Spudis, Planetologe an der Rice-Universität in Houston, ist anzunehmen, daß dieses Eis von Kometen gekommen ist, die im Laufe von drei Milliarden Jahren auf die Mondoberfläche prallten. Dabei hat sich vermutlich der größte Teil des Kometeneises im trockenen Vakuum der Mondoberfläche verflüchtigt. Aber, so sagte Spudis der amerikanischen Fachzeitschrift "Space News", es könnten auch Wasserdampfmoleküle in den zwölf Kilometer tiefen Krater abgesunken und dort gefroren sein.

Der Krater mit seinem Durchmesser von 2600 Kilometern ist nach Ansicht der Wissenschaftler von einem der Asteroiden genannten Miniplaneten zwischen Mars- und Jupiterbahn aus der Mondoberfläche gestampft worden. Er liegt in ewiger Finsternis und ist der größte seiner Art im Sonnensystem. Die in ihm angenommene Eiszone soll ein Volumen von 60 bis 120 Kubikmetern und die Form eines kleinen Sees haben. Vermutlich enthält er eine Mischung von Wasser und anderer Kometenmaterie wie Methan und Ammoniak.

Ultra-Billig-Sonde

Die neue Sonde Lunar Prospector, von einfacher Konstruktion und eigentlich nur als Demonstrationsobjekt einer Discount- Mission gedacht, wird von der Firma Lockheed Missiles and Space Co. gebaut. Klein und sehr robust, ist sie mit fünf Sensoren ausgestattet, mit denen sich die chemische Zusammensetzung der Mondoberfläche analysieren läßt. Wenn die bis auf zehn Kilometer Höhe abzusenkende Sonde erst einmal im Mondorbit ist, dann wird sie nach Schätzung der Projektwissenschaftler innerhalb eines Monats feststellen können, ob sich an der vermuteten Stelle Wasser befindet. Rudolf Merget, Foto:dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von jo