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Einstein fand Lichtbeugung vor der Relativitätstheorie

München (dpa) - Albert Einstein hat noch vor der Formulierung seiner Allgemeinen Relativitätstheorie eine Folge dieser genialen Theorie, die Beugung des Lichts, beschrieben. Forscher des Max- Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte in Berlin fanden jetzt bei der Durchsicht von Einsteins Notizen Aufzeichnungen, die das Phänomen einer "Gravitationslinse" beschreiben. Das teilte die Max- Planck-Gesellschaft am Montag in München mit.

Es besagt, daß ein Stern durch seine gewaltige Gravitationskraft das Licht eines von ihm verdeckten Objekts ablenken kann, so daß von dem Objekt dennoch - wie durch eine Linse - ein Bild entsteht. Diese "verblüffende wissenschaftstheoretische Entdeckung" Einsteins von 1912 wurde kürzlich in der amerikanischen Wissenschaftszeitschrift "Science" (Vol.275, S. 184) veröffentlicht.

Notizen zwischen Adressen und Rätseln

Einstein hatte seine allgemeine Relativitätstheorie erst 1915 endgültig fertiggestellt. Damals erschien ihm seine Entdeckung des Gravitationslinsen-Effekts von 1912 so phantastisch, daß er sich erst 24 Jahre später, im Jahr 1936, zu einer Veröffentlichung überreden ließ, sagte Prof. Jürgen Renn, Direktor des Berliner Instituts. Erst 1979 wurde die tatsächliche Existenz von Gravitationslinsen durch Beobachtungen bestätigt. Ihr Studium ist heute ein wichtiger Forschungsbereich der Astrophysik für Rückschlüsse über den Aufbau des Kosmos.

Die Forscher des Berliner Max-Planck-Instituts nehmen an, daß Einstein seine Berechnungen des Gravitationslinsen-Effekts zwischen dem 15. und 22. April 1912 auf acht Seiten eines kleinen Notizbuches zwischen die Adressen von Berliner Bekannten, mathematische Rätsel und anderen Berechnungen notiert hat.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj