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Siehe auch:

  • Stichwort: Forschungsreaktor Garching
  • Greenpeace-Protest gegen Brennelemente-Transport

  • Grundsteinlegung für Forschungsreaktor

    Atomkraftgegner protestieren - Neutronenquelle für deutsche Wissenschaftler

    Garching (AP) - Begleitet von Protesten ist am Montag in Garching bei München der Grundstein für den international umstrittenen Forschungsreaktor FRM-II gelegt worden. Der bayerische Kultusminister Hans Zehetmair sagte bei dem Festakt, die rund 767 Mark teure Nuklearanlage verfüge über eine gesicherte Finanzierung und eine hohe öffentliche Akzeptanz. Rund 50 Atomkraftgegner demonstrierten mit einer symbolischen Beerdigung gegen die neuartige Neutronentechnik.

    Trotz weltweiter Proteste soll in der neuen Anlage der Technischen Universität München mit hochangereichertem und damit kernwaffentauglichem Uran experimentiert werden. Das Projekt direkt neben dem Münchner Großflughafen soll im Jahr 2.001 das technisch veraltete "Atomei" aus dem Jahr 1957 ersetzen.

    Vor rund 400 geladenen Gästen sagte Zehetmair, nur mit dem Reaktor könne die internationale Spitzenstellung der deutschen Neutronenforschung gesichert werden. Umwelt und Gesundheit würden dabei keinesfalls auf den zweiten Rang verbannt. "Während manche Ewiggestrige immer noch ausschließlich die Gefahren diskutieren, sind viele Menschen bei uns längst bereit, bei strengstens kontrollierten Risiken die Chancen zu nutzen", sagte der CSU-Politiker.

    Die Grünen-Landtagsabgeordnete Irene Maria Sturm kritisierte dagegen bei der Protestveranstaltung, der Einsatz des hochangereichterten Urans (HEU) gefährde den Frieden in der Welt. Die neuartige Technik sei noch nirgendwo erprobt und berge zu große Risiken. Zudem sei die Entsorgung des "Bombenstoffs" nach wie vor ungelöst. Mit dem Bau des FRM-II solle vor allem die Atomabteilung der Erbauerfirma Siemens/KWU am Leben erhalten werden.

    Kostenerhöhung auf über eine Milliarde Mark befürchtet

    Der Neubau kommt den Staat Bayern inzwischen teurer zu stehen als ursprünglich geplant. Statt der anfangs veranschlagten 720 Millionen Mark genehmigte der Landtag vor kurzem eine Kostensteigerung auf rund 767 Millionen Mark. Zur Begründung verwies Zehetmair vor allem auf die gestiegenen Baukosten. Mehraufwendungen für zusätzliche Gutachten sowie Sicherheitsauflagen von Behörden machten den weitaus kleineren Teil der Verteuerung aus. Die Gegner des Wissenschaftsreaktors rechnen mit weiteren Kostenerhöhungen im Laufe der Bauzeit bis auf über eine Milliarde Mark. Das Richtfest ist für den Sommer 1998 geplant.

    Der Uraneinsatz hatte diplomatische Verwicklungen zwischen Deutschland und den USA ausgelöst. Washington, das einen Lieferstopp für HEU verhängt hatte, drängte immer wieder auf eine Forschung mit niedrig angereichertem Material. Die USA befürchten, daß die Bemühungen um eine Begrenzung des kommerziellen Welthandels mit bombentauglichem Material untergraben und HEU-Versorgungsengpässe durch Lieferung aus Rußland umgangen werden könnten. Foto: AP


    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj