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. . . Gedenken in Scham und Trauer

Dohnanyi, Sohn des Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi, erklärte: "Die Stärke der Demokratie muß sich erweisen, wenn es gilt, die politischen und sozialen Rahmenbedingungen der Demokratie zu stabilisieren." Das Gedenken an die Opfer bedürfe des Mitfühlens mit ihnen und der Erinnerung an die deutschen Verbrechen. Das erfordere wiederum noch immer eines tieferen historischen Verständnisses, wie es zu Terror und Verbrechen kommen konnte.

Gleichzeitig ermutigte Dohnanyi die Deutschen, europäische und internationale Verantwortung stark und selbstbewußt zu übernehmen. "Die nach dieser Geschichte verständlichen Vorurteile gegen uns aber können wir nur durch demokratische Geduld widerlegen und schließlich einmal überwinden." Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth mahnte, die millionenfachen Morde an Juden und Menschen vieler Nationen "um unserer Gegenwart und Zukunft willen" nicht zu vergessen.

Bubis: Jugend informieren

Bubis sagte im Deutschlandradio Berlin, das Interesse der Jugend an der NS-Zeit sei der erste Schritt der Verhinderung solcher Verbrechen für die Zukunft. Er beklagte, daß das Verdrängen der Täter von damals anhalte: "Zeitzeugen auf der Täterseite ziehen es vor zu schweigen." Zum damaligen Verhalten des Auslandes sagte Bubis: "Es wird immer ein Unterschied bleiben zwischen denen, die Auschwitz errichtet haben, und denen, die es gewußt und dazu geschwiegen haben."

Zur Eröffnung der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main sagte er, nicht jeder, der im alliierten Bombenhagel umgekommen sei, sei ein NS-Opfer gewesen. Auch dürfe nicht vergessen werden, daß Taten wie etwa die Vertreibung der Sudetendeutschen den Nationalsozialisten anzulasten seien. "Die Vertreibung hat 1933 begonnen, nicht 1945."

Flaggen auf halbmast

In den ehemaligen Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück in Brandenburg sowie im thüringischen Mittelbau-Dora erinnerten Überlebende mit Kranzniederlegungen an den Völkermord. In Schleswig-Holstein ließ das Innenministerium alle Flaggen auf halbmast setzen. Das Kultusministerium forderte die Schulen auf, das Thema des Judenmordes im Unterricht zu behandeln. In Kiel erinnert eine Ausstellung an das Leben und Überleben von Kindern in Auschwitz. Auch der niedersächsische Kultusminister Rolf Wernstedt rief die Schulen des Landes dazu auf, der Opfer der NS-Gewaltherrschaft zu gedenken.

Die unmenschliche Herstellung von Hitlers "Geheimwaffen"

In Sachsen fand eine Gedenkfeier für die Opfer des Konzentrationslagers Groß-Rosen statt. Auf dem Gelände der Deutschen Waggonbau in Bautzen, das früher als KZ-Außenlager diente, wurde ein Gedenkstein eingeweiht und zur Erinnerung an die Häftlinge Kränze niedergelegt. In Berlin gab es Gedenkfeiern im KZ-Außenlager im Bezirk Neukölln und im Centrum Judaicum Gedenkfeiern. Mit einem ökumenischen Gedenkgottesdienst in Bitterfeld wollte Sachsen-Anhalt am Abend der Opfer gedenken. Im thüringischen Landtag in Erfurt informiert eine Ausstellung über das Lager Dora, in dem Hitlers "Geheimwaffen" unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen in unterirdischen Fabriken hergestellt wurden. Bis 1945 kamen in dem Lager am Südrand des Harzes 20.000 Menschen um.

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) verteilte vor Betrieben des Elektronikonzerns Bosch Flugblätter, in denen an die Zwangsarbeiter in den früheren Rüstungsbetrieben erinnert wurde.

Das AP-Archivfoto oben zeigt Kinder, die 1945 von russischen Soldaten aus dem Konzentrationslager Auschwitz befreit wurden. Das AP-Foto in der Mitte zeigt den brandenburgischen Kultusminister Stefen Reiche bei einer Kranzniederlegung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen.


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj