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. . . Informatiker: Job zwischen Bits und Bytes

Wer sich für Informatik interessiert, muß entgegen weit verbreiteter Vorurteile kein ausgewiesener Mathematik-Experte sein. Angst vor den Naturwissenschaften sollte er allerdings auch nicht haben. Die Wurzeln der Disziplin liegen in der Mathematik, Physik, Nachrichtentechnik und in Teilgebieten der Sprachwissenschaft. Neben der "allgemeinen" oder "theoretischen Informatik" existiert eine Reihe anwendungsbezogener Teilgebiete wie "Medizininformatik" und "Wirtschaftsinformatik".

Multimedia-Markt

Die Informatik, so definiert die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg die Aufgabe des Faches, sorgt dafür, daß in wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und öffentlichen Bereichen riesige Datenmengen schnell erschlossen und weitergegeben werden können. Nach den Stellenausschreibungen für Informatiker in Zeitungen und Zeitschriften schälen sich zwei wichtige Tätigkeitsfelder heraus: Ende 1995 suchte jede vierte Firma Spezialisten für die Einführung oder Betreuung computergestützter Technik. Fast ebensoviele Unternehmen wollten Fachleute für die Softwareproduktion einstellen.

Inwieweit sich der vieldiskutierte Multimedia-Markt auf die Tätigkeit von Informatikern auswirkt, ist nach Ansicht der Bundesanstalt für Arbeit zur Zeit noch "völlig offen". Es sei wahrscheinlich, daß die Verknüpfung der bereits existierenden Telefon-, Fernseh- und Computermärkte weltweit neue Arbeitsplätze schaffen werde. Ob das aber in Deutschland oder in billigen Konkurrenzländern wie Indien, Malaysia, Polen oder Ungarn stattfinden werde, sei augenblicklich noch überhaupt nicht abzusehen.

Berufserfahrung erwünscht

Der Arbeitsmarkt für Informatiker hat sich laut Arbeitsamt-Statistiken nach dem Konjunkturabschwung in den Jahren 1992 und 1993 als einer der ersten Arbeitsmärkte für qualifiziertes Personal wieder belebt. Dennoch waren im September 1994 bundesweit 4500 Informatiker und Datenverarbeitungs-Fachleute arbeitslos, 1992 waren im gleichen Monat erst 1600 arbeitslos gewesen. Der Anteil der Frauen an den arbeitslosen Informatikern mit Hochschulabschluß betrug 1994 30 Prozent, obwohl der Frauenanteil an den Informatikstudenten zum gleichen Zeitpunkt bei lediglich 13 Prozent lag.

Vor allem junge Informatiker ohne Berufserfahrung haben es schwer, sich gegen die Vielzahl qualifizierter Bewerber durchzusetzen, so das Arbeitsamt Hamburg-Mitte. Immer häufiger würden die Akademiker erst eingestellt, wenn sie ein unentgeltliches Praktikum erfolgreich bestanden hätten. Wegen der schlechteren Arbeitsmarktlage ergriffen in den vergangenen Jahren immer weniger Abiturienten ein Informatikstudium. "Zu wenige", sagt Burkhard Freitag, Informatikprofessor an der Universität Passau. Nach seinen Beobachtungen sind die Berufsaussichten augenblicklich "exzellent", weil es an guten Fachkräften fehlt. Etliche seiner Studenten hätten noch vor Abschluß ihrer Diplomarbeit den Arbeitsvertrag in der Tasche.

Rechtzeitig Kontakte knüpfen

Wer zu den Erfolgreichen gehört und beispielsweise als Führungskraft in einem Rechenzentrum arbeitet, kann als Informatiker 180.000 Mark und mehr im Jahr verdienen. Ein Anwendungsprogrammierer hingegen kommt nach einer Statistik aus dem Jahre 1995 kaum über 88.000 Mark. Berufsanfänger können mit einem Anfangsgehalt von 70.000 Mark rechnen, sofern sie einen Universitätsabschluß haben. Fachhochschulabsolventen verdienen anfangs 60.000 bis 65.000 Mark.

Software-Berater Holger Herzog empfiehlt allen Informatik-Studenten, zügig zu studieren, denn darauf achten potentielle Arbeitgeber. Vor allem aber sollte jeder schon während des Studiums als Praktikant oder Werksstudent in Unternehmen mitarbeiten. "Wer keine Kontakte hat", so Herzog, "ist bei der Arbeitssuche auf seine gute Abschlußnote angewiesen, und da ist die Konkurrenz gewaltig."


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj