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Narren schwärmen aus

Kunterbunte Kostüm-Klassik

Köln (gms) - Vor allem in den Hochburgen des jecken Treibens sind die Narren lange ausgeschwärmt, um sich mit Pappnasen, Perücken und bunten Kostümen einzudecken. Bereits seit Mitte Januar finden sie in den Kaufhäusern die Faschingsgarderobe in den Regalen. "Die Leute fragten schon im Dezember nach den Karnevalskostümen", erinnert sich eine Kaufhaus-Verkäuferin in Köln an ungeduldige Narren im Wartestand.

Inzwischen ist das Geschäft mit der Kleidung aus glänzender Faschingsseide, mit falschen Bärten und buntem Häuptlingsschmuck "sehr gut angelaufen". Auch wenn die Kostüme erst seit kurzem am Garderobenhaken hängen - die Entscheidung über die Auswahl für die Session 1997 wurde schon früh getroffen. "Die Kostüme wurden schon vor einem halben Jahr geordert", heißt es bei Kaufhof in Köln. Auch der zentrale Einkauf von Karstadt in Essen mustert schon unmittelbar nach Ostern vor, was im kommenden Jahr Faschingsfeiern und Straßenkarneval zieren soll. Auch wenn das Angebot bundesweit einheitlich ist: Zumindest die Menge der Kostüme ist im jecken Rheinland deutlich höher als etwa in der norddeutschen Karnevals-Diaspora.

Inspiration aus Hollywood

"In diesem Jahr gibt es im Angebot vor allem Klassiker", sagt eine Karstadt-Sprecherin. Auch in anderen Kaufhäusern und Warenhausketten werden besonders die immer wieder beliebten Rollenwechsel angeboten: Piratenkostüme samt Augenklappe und kühnem Bart, sternenglänzende blaue Faschingsseide für Zauberer und Sternenmädchen, Glitterschmuck und weitschwingende Röcke für temperamentvolle Zigeunerinnen.

Ob bunter Clown oder trauriger Pierrot - heiteres und melancholisches Narren-Outfit ist bei Großen und Kleinen gleichermaßen beliebt. Auch Prinzessinnen, Indianerinnen, Cowboys und Musketiere mischen sich in diesem Jahr wieder reichlich unter das närrische Volk. "In den Vorjahren spielten vor allem bei den Kinderkostümen Disney-Vorbilder eine Rolle", heißt es bei Karstadt. Der jeweils aktuelle Weihnachtsfilm, ob "Pocahontas" oder "König der Löwen", prägte immer wieder die Kostümwünsche der jüngsten Jecken.

Im diesjährigen Kostümangebot dagegen sind Inspirationen aus Hollywood, abgesehen von den Western-Klassikern, nicht aufgetaucht. Im fußballverrückten Dortmund können die Narren durchaus lokalpatriotisch Farbe bekennen: Hüte in Fußballform und schwarz-gelbe Perücken huldigen in den Vereinsfarben den BVB-Kickern.

Zauberstab und Tomahawk

Zwischen 30 und 50 Mark müssen Eltern für ihre karnevalistisch gekleideten Jüngsten bezahlen, das Kostüm für "ausgewachsene" Narren kann bis zu 85 Mark kosten. Hinzu kommen unter Umständen die erforderlichen Accessoires von der Prinzessinnen-Krone über den glitzenden Zauberstab bis zum Tomahawk des Häuptlings auf dem närrischen Kriegspfad. Gesichtsfarbe und buntes Haarspray gehören ebenfalls dazu und ersetzen bei Kostüm-Muffeln häufig sogar die übrige Maskerade.

Auch Kostümverleiher bekommen den vollen Terminkalender der Narren zu spüren. Im rheinischen Alsdorf hat Hermann Klein seit Anfang des Jahres reichlich mit den Kleiderwünschen für Karnevalsfeiern zu tun. Die frostigen Temperaturen bestimmten offenbar auch die Auswahl der Kostüme: Als Haremsdame wollte kaum jemand die Narrenwelt erobern. "Es gab einen klaren Trend zu Tierkostümen - vielleicht, weil die meist besonders warm sind" mutmaßt Klein. Ralf Buse aus Leverkusen, der mit mehr als 2000 Kostümen aus eigener Schneiderei fast allen Wünschen nachkommen kann, stellte dagegegen einen Trend zu aufwendigen historischen Kostümen fest.

Haftpflicht für Rotweinflecken oder Brandlöcher

Rund 150 Rokoko-Damen können sich leihweise in Leverkusen einkleiden, aber auch mittelalterliche Burgfräulein und Kavaliere des Barock finden Mieder und Wams - "aus richtigem Stoff, nicht aus Faschingsseide", betonte Buse. Im Epizentrum des rheinischen Frohsinns kann es trotz der großen Lagerbestände an den tollen Tagen eng werden: "Die Stammkundschaft meldet sich oft schon nach den großen Ferien". Auch ganze Karnevalsgesellschaften stöbern in Buses Fundus nach Kostümen für ihren großen Auftritt im Rosenmontagszug.

Zwischen 40 und 85 Mark kostet ein Leverkusener Leihkostüm, das meist über ein Wochenende den Rollenwechsel oder Zeitsprung ermöglicht. Ähnlich sind die Preise in Alsdorf, während etwa ein Wuppertaler Kostümverleih zwischen 65 und 200 Mark für ein historisches Kostüm verlangt. Die Reinigung der Kostüme ist stets im Leihpreis inbegriffen, für eventuelle Schäden im Verlauf einer allzu feucht-fröhlichen Feier müssen Rokoko-Damen und Musketiere selbst aufkommen beziehungsweise ihre Haftpflicht-Versicherung in Anspruch nehmen. Dies gilt allerdings überwiegend für Rotweinflecken oder Brandlöcher, sagt Klein. "Wenn mal eine Naht platzt oder ein Knopf abreißt, berechnen wir das nicht extra." Foto: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj