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Winterschlußverkauf:

Verhaltener Start

Köln/Hamburg (dpa) - Der Auftakt des Winterschlußverkaufs ist am Montag verhaltener als in den Vorjahren ausgefallen. Das berichtete der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Köln aufgrund einer verbandsinternen Blitzumfrage. "Die Kunden gehen diesen Schlußverkauf sehr überlegt und gelassen an", berichtete HDE- Sprecher Thomas Werz. "Sie haben ja auch wegen der neuen Öffnungszeiten rein rechnerisch zwei Tage mehr Zeit als im vergangenen Jahr. Insbesondere die zwei Samstage bis 16 Uhr werden von vielen Familien und Paaren zum Einkaufsbummel genutzt werden".

Vielerorts waren zunächst nur die klassischen Schnäppchenjäger unterwegs, die mit Preisnachlässen bis zu 70 Prozent gelockt wurden, ergab eine dpa-Umfrage. Laut HDE ist viel warme Winterware bereits vor Schlußverkaufsbeginn aus den Regalen verschwunden. Dafür würden günstige Angebote verstärkt auf das gesamte WSV-Angebot ausgeweitet. Die Läger seien generell nicht mehr so voll wie früher, denn der Handel ordere infolge schwacher Nachfrage und zunehmend bewußt einkaufender Kunden immer vorsichtiger.

Reduzierte Stoffe, Bett- und Haushaltswäsche sowie Oberbekleidung waren nach der dpa-Umfrage der Renner. Von einem verhaltenen Auftakt wurde beispielsweise in Berlin, Hamburg, Kiel und Magdeburg gesprochen. Es sei im Vergleich zum Vorjahr zumindest keine Steigerung festzustellen, sagten Warenhaussprecher in Hamburg und Kiel am Vormittag. Beim Hamburger Karstadt-Kaufhaus gingen in der ersten Stunde nach Öffnung zunächst nur die billigsten Artikel weg. Am späteren Vormittag wurden dann auch die höherwertigen Waren ins Visier genommen. Die Kunden legten auch bei den reduzierten Waren Wert auf Qualität, hieß es bundesweit.

"Ein regelrechtes Ritual"

"Der Winterschlußverkauf ist ein regelrechtes Ritual geworden", sagte der Chef des Berliner KaDeWe. "Es ist ein wenig wie das Suchen der Ostereier." Viele Kunden hätten ganz konkrete Wünsche und zögen dann durch die Stadt, bis sie fündig würden. "Vorher drehen sie die Mark aber dreimal um." Die Kaufzurückhaltung bekam auch der brandenburgische Einzelhandel zu spüren. "Die hohe Arbeitslosigkeit und die Sprechblasen der Politik haben beim Verbraucher zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt", sagte der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, Harald Lemke, in Neuruppin.

Von einem zufriedenen Start in den WSV berichteten Einzelhändler in Hannover, in Mannheim und Ulm. In Stuttgart erwarteten Geschäftsführer zweier Kaufhäuser "ein gutes Plus" im Vergleich zum Vorjahr. Auch in München waren die Warenhäuser belagert, während in den kleineren Geschäften der erste Tag des Ausverkaufs eher ruhig anlief. Und auch die Witterung spielte vielerorts mit und versüßte den Kunden den Einkaufsrummel. "Das Wetter spielt noch gut mit, so daß besonders Winterbekleidung und Schuhe sehr gut gehen", berichtete der Chef des Einkaufszentrums Allee-Centers in Leipzig-Grünau, Josef Schüller. Auch in Chemnitz und Dresden stürzten sich die Kunden auf reduzierte Winterware. Fotos: AP/dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj