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Kontroverse um homosexuelle Priester:

Katholik hat Erzbischof Dyba angezeigt

Frankfurt/Trier (dpa) - Die umstrittenen Äußerungen des Fuldaer Erzbischofs Johannes Dyba über homosexuelle Priester beschäftigen jetzt auch den Staatsanwalt. Wegen Beleidigung und übler Nachrede hat ein Mann aus Frankfurt Strafanzeige gegen Dyba gestellt. Die Staatsanwaltschaft Fulda bestätigte am Dienstag den Eingang der Klage des Katholiken, der sich selbst als engagierter Homosexueller bezeichnet.

Dyba hatte Homosexuellen in der Januar-Ausgabe des Fuldaer "Bonifatiusboten" generell die Eignung zum Priesteramt aberkannt. Mit den Worten "bei uns werden nur solche Männer zu Priestern geweiht, die auch das Zeug zu gesunden und guten Familienvätern hätten" habe Dyba eine Minderheitengruppe bewußt verunglimpft und beleidigt, begründete der Frankfurter seine Klage.

Schätzungen zurückgewiesen

Das Bistum Trier wies unterdessen Schätzungen zurück, wonach ein Viertel der Priester homosexuell sein sollen. Das widerspreche "offenkundig der Realität", wie jeder bestätigen könne, der genügend viele Priester kenne, schrieb die Bischöfliche Pressestelle am Dienstag. "Andererseits behauptet auch niemand, daß es solches Fehlverhalten nicht auch unter Priestern gibt", heißt es in dem Papier. "Homosexuell zu empfinden ist weder eine Schande noch gar eine Schuld". Unabhängig von ihrer "Prägung" seien jedoch alle katholischen Priester selbstverständlich verpflichtet, enthaltsam zu leben.

Homosexualität auch praktiziert?

Das Bistum reagierte mit dieser Stellungnahme auf Aussagen von Seelsorgern in der ARD-Fernsehsendung "Report", wonach 20 bis 25 Prozent der Priester homosexuell seien und der "Betrieb Seelsorge" ohne sie "zusammenbrechen" würde. Bei solchen Schätzungen sei nie behauptet worden, daß es sich um Menschen handele, die ihre Homosexualität auslebten und praktizierten, unterstrich das Bistum.

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj