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. . . Otto-Erpresser gefaßt

Otto ließ die Polizei einschalten. Der Täter verlangte, das Geld auf einen Funkspruch von ihm hin aus einem Zug abzuwerfen. Außerdem sollte im "Hamburger Abendblatt" bis zum 24. Januar eine getarnte Anzeige erscheinen, in der eine Kontakttelefonnummer für den Erpresser mitgeteilt wird. Die Anzeige erschien, der Täter rief an. Er kündigte einen weiteren Anruf für Montag, den 27. Januar an. Am Montag gab der Erprsser dann die Einzelheiten für die Geldübergabe durch: Der Bote mit dem Geldpaket sollte den Regionalzug Lübeck - Kiel, Abfahrt 20.01 Uhr besteigen. Um 20.24 Uhr - der Zug war gerade in der Nähe von Timmendorfer Strand - kam das Signal zum Geldabwurf. "Um 20.38 Uhr wurde der Täter festgenommen", berichtete Hamburgs Polizeichef Ernst Uhrlau. Ein Polizeihund biß den Erpresser.

Nur mit kleinem Küchenmesser bewaffnet

Bei der anschließenden Vernehmung packte der Mann vollständig aus: Er ist Familienvater aus Eutin, hat zwei Kinder im Alter von 25 und 18 Jahren. Der Großhandelskaufmann war selbständig, aber ohne Erfolg. Er hatte 80.000 Mark Schulden, außerdem hatte er einen Offenbarungseid abgelegt. Seit 1990 wohnt er in Eutin, er stammt aber aus dem Raum Frankfurt am Main. Die Familie hat offenbar nichts von seinem Plan gewußt.

Bei der Festnahme hatte der Mann nur ein Funkgerät und ein kleines Küchenmesser bei sich. Damit wollte er das Paket aufschneiden. In seiner Garage fand die Polizei eine Pistole ohne Magazin. Außerdem wurde die Schreibmaschine sichergestellt, mit der der Erpresserbrief getippt wurde. An Michael Otto sei der Mann über Presseberichte geraten, berichtete die Polizei. Noch am Montag nachmittag sollte er in Hamburg dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Otto-Versand ist die größte Versandhandelsgruppe der Welt. Im Geschäftsjahr 1995/96 erwirtschafteten 56.000 Mitarbeiter weltweit 24,8 Milliarden Mark Umsatz. Michael Otto ist Vorstandschef. Foto: dpa


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj