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. . . BSE: Keine "letzte Sicherheit

Anfang der 90er Jahre lag der Verbrauch noch bei 14,1 Kilo pro Jahr, 1996 dagegen nur bei 10,3 Kilo. Über die Auswirkungen des jüngsten BSE-Falls liegen den Marktbeobachtern noch keine Informationen vor. Doch die Probleme auf dem Rindfleischmarkt entstehen nach den Worten eines ZMP-Sprechers nicht nur durch mangelnde Verbrauchernachfrage im Inland, sondern auch beim Export. Laut Informationen des Verbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels mit Vieh und Fleisch erwägen Polen und Ungarn, Rindfleisch aus Deutschland vorerst nicht mehr zu importieren. Bosnien-Herzegowina, Slowenien und Kroatien haben dies bereits beschlossen, die beiden letzteren lassen Rindfleisch aus der Bundesrepublik nicht einmal als Durchfuhr zu.

"Deutschland galt bislang als BSE-frei"

"Deutschland galt bislang als BSE-frei", erklärt ein ZMP-Sprecher. Bei den ersten vier an der Seuche verendeten Rindern habe es sich um importierte Tiere gehandelt, im fünften Fall, bei "Cindy", sei das jedoch nicht ganz klar. Als Konsequenz würden derzeit 50 Prozent weniger Rinder geschlachtet als vor zwei Wochen, die Schlachtung von Jungbullen sei auf bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Der Sprecher betont aber, daß die Zahlen nicht auf einen entsprechenden Verbrauchsrückgang schließen ließen. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme der Schlachtereien, die nicht wüßten, wieviel Fleisch sie verkaufen könnten.

Bei Jungbullen sei der Preis pro Kilo Schlachtgewicht um 20 bis 30 Pfennig zurückgegangen. In der Woche vom 13. bis 19. Januar habe er bei 5,29 Mark gelegen, in der darauf folgenden Woche bei 5,19 Mark. Bei weiblichen Tieren seien die Preisabschläge zum Teil noch wesentlich höher.

Kein Hirn essen

Fleischliebhaber müssen Rinderprodukte nun aber nicht links liegen lassen. Die Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände (AGV) in Bonn empfiehlt, Rindfleisch direkt beim Bauern seines Vertrauens zu kaufen und dort auf artgerechte Tierhaltung zu achten. Dazu rät auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Bei artgerechter Tierhaltung werde auf den Einsatz von Tierkörpermehl als Futtermittel verzichtet, erklärt Landwirtschaftsexperte Tilman Uhlenhaut vom BUND Niedersachsen.

In der Metzgerei sollte man auf einem Herkunftsnachweis des Fleisches bestehen. "Letzte Sicherheit gibt es nicht", sagt eine AGV-Sprecherin, warnt aber vor Panikmache. Die Übertragbarkeit von BSE gehe nicht so explosionsartig vor sich, wie man früher befürchtet habe. Generell fordern die Verbraucherschützer einen obligatorischen Herkunftsnachweis bei Rindfleisch, so daß "vom Muttertier bis zum Filetstück auf dem Teller" nachvollzogen werden könne, woher das Tier stamme.

Auch Schweine und Hühner könnten infiziert sein

Der Lebensmittelchemiker Udo Pollmer empfiehlt den Verbrauchern, auf keinen Fall Hirn zu essen. Es sei nachgewiesen, daß sich der BSE-Erreger im Hirn festsetze. Er weist außerdem auf die Gefahr hin, daß auch Schweine und Hühner mit dem Erreger infiziert sein könnten. Damit solche Ungewißheiten aus der Welt geschafft werden können, fordert die AGV, über die Rinderseuche mehr in Deutschland zu forschen. Bisher sei man angewiesen auf Forschungsergebnisse aus anderen Ländern wie dem BSE-Herkunftsland Großbritannien, kritisiert die Organisation.

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj