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Unter grünen Segeln:

Jugendschiff "Alexander von Humboldt"

Hamburg (dpa) - Ihre 25 grünen Segel tauchen in den TV- Werbespots einer weltweit bekannten Biermarke auf. Im Sommer kreuzt sie vor skandinavischen Küsten und britischen Gestaden, in den Wintermonaten rund um die Kanarischen Inseln oder im Mittelmeer. Auch in der Karibik und unter der Golden Gate Bridge von San Francisco teilte sie schon majestätisch die Wellen. Für Liebhaber alter Schiffe ist die "Alexander von Humboldt" ein Traum.

Der durch die Fernseh-Werbung weltweit bekannte Windjammer wurde 1906 gebaut. Die Vorstellung vom exklusiven Luxusliner für gutbetuchte Segelfreunde täuscht jedoch. Seit zehn Jahren ist das ehemalige Feuerschiff aus Kaisers Zeiten in erster Linie für Jugendliche aller Nationalitäten und aus allen sozialen Schichten auf Fahrt.

"Unser Ziel ist es, jungen Menschen traditionelle Seemannschaft zu vermitteln und den Gemeinschaftsgeist zu fördern", beschreibt Reimer Peters, ehrenamtlicher Kapitän der "Alex", den Grundsatz der Deutschen Stiftung Sail Training. Die DSST betreibt das 63 Meter lange Schiff mit seinen insgesamt 60 engen Kojen. "Zuhause" ist die Bark mit Jugendherbergs-Charakter in Bremerhaven. Von dort läuft sie zu etwa 25 Törns pro Jahr aus - eine Fahrt dauert im Durchschnitt zwei Wochen.

Spartanischer Charakter

"Der Charakter des Schiffs ist bewußt spartanisch gehalten", sagt Peters. Auf wenigen Quadratmetern schlafen bis zu acht Mitsegler in fensterlosen Kojen, in denen man sich nur mit Mühe von der einen auf die andere Seite drehen kann.

Gegessen wird an langen Holzbänken und -tischen. Von dort aus ist raumgreifender Blick auf die offene See wegen der kleinen Bullaugen nicht möglich. Dafür jedoch von den dunklen Holzplanken auf Deck, wo die Größe des Schiffs deutlich wird - und seine Höhe: Es braucht schon Mut, 30 Meter steil nach oben in die Rahen zu klettern.

"Man muß miteinander zurechtkommen, da gibt es kein Ausweichen. Nach der Reise geht man von Bord, als wenn sich alle seit Jahren kennen", sagt Peters. Teamgeist und Verantwortung für sich und andere hat so mancher Jugendliche in den vergangenen zehn Jahren beim gemeinsamen Segeln auf der "Alexander von Humboldt" erfahren. Damit das Abenteuer auf See für jeden aktiven Passagier zu einem Erfolgserlebnis gerät, wird von der Stamm-Mannschaft mehr als die Beherrschung des jeweiligen Handwerks verlangt.

Kein "Untergebenen-Verhältnis"

"Die Trainees sind uns als Menschen wichtig. Daß wir uns an Bord gegenseitig achten, müssen wir ihnen vorleben, nur so werden wir auch für die Jugendlichen glaubwürdig sein", heißt es in den Leitlinien für die Mannschaft. Es gibt kein "Untergebenen-Verhältnis" auf der Alex. Man redet sich mit "Du" an. Alle Arbeiten, ob Abwasch oder Deck-Schrubben, werden gemeinschaftlich ausgeführt.

Die Mitglieder der Stamm-Mannschaft, egal ob Kapitän, Maschinist oder Koch, arbeiten freiwillig und ehrenamtlich an Bord. So ist Kapitän Peters hauptberuflich als Seelotse auf der Elbe beschäftigt. Kombüsen-Chef Jörg Wendscheck arbeitet normalerweise als stellvertretender Küchenleiter in einem Krankenhaus. "Das Team und die Mannschaft" machen für ihn den Reiz der Segeltörns auf dem Segelschiff aus.

Mannschaft aus Lokomotiv-Führern, Krankenschwestern, . . .

Zur Mannschaft der Alex gehören Frauen und Männer aus allen Teilen Deutschlands und allen Berufsgruppen, ob Student, Ärztin, Krankenschwester und Lokomotiv-Führer. Alle nehmen gerne ihren Urlaub, um mit jungen Menschen den Windjammer zu segeln. Wendscheck bringt es auf den Punkt: "Das Wichtigste ist: pralle Segel unter Sonne und das Schiff läuft ohne Motor." Foto: dpa

Letzte Änderung: 08.04.1997 18:09 von aj