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"Biermösl Blosn" für CSU Oberbayern zu linkslastig

München (dpa) - Mit seiner Entscheidung, der Musikerfamilie Well ("Biermösl Blosn") den Kulturpreis 1997 zu verweigern, hat sich der Bezirkstag von Oberbayern gehörigen Spott eingehandelt. Sogar in CSU- Kreisen stieß die Ablehnung auf Unverständnis. Das Gremium hatte am Donnerstag mit CSU-Mehrheit beschlossen, den mit je 10.000 Mark dotierten Kulturpreis an den Kinderbuchautor Otfried Preußler ("Räuber Hotzenplotz") und an den Kunstschmied Manfred Bergmeister zu verleihen. SPD, Bayernpartei, FDP und ÖDP hatten dagegen den Vorschlag der Grünen unterstützt, die Familie Well auszuzeichnen.

Spott, Kritik und Widerspruch haben im bayerischen Volkslied Tradition

Ihre Musikgruppe "Biermösl Blosn" macht Blasmusik mit bissigen, satirischen Texten und tritt auch mit den Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt auf. CSU-Politiker in Oberbayern wollten die ihrer Ansicht nach zu linkslastige Musikerfamilie nicht ehren. Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) sagte am Freitag, an seiner Wertschätzung für die "Biermösl Blosn" habe sich auch nach der Entscheidung seiner Parteifreunde nichts geändert. Spott, Kritik und Widerspruch hätten im bayerischen Volkslied traditionell einen festen Platz. Da gebe es nur eines: "Im Zweifelsfall mitlachen." Aus der SPD-Landtagsfraktion hieß es, die CSU in Oberbayern offenbare "einen Horizont, der so eng und beschränkt ist wie das Kreuther Tal bei rabenschwarzer Nacht". Mit einem Zweizeiler reagierte Hans Well von den "Biermösl Blosn": ""Wir danken der CSU von früh bis spät, für ihre enorme extraordinäre Liberalität."


Letzte Änderung: 08.04.1997 18:10 von to