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Maranello, Mythen und Motoren:

50 Jahre Ferrari

Maranello/Modena (gms) - Es geschah vor 50 Jahren: Ein Mann sitzt auf einem unförmigen Fahrgestell zwischen vier Rädern, hält ein Lenkrad in den Händen und vor ihm blubbert ein nahezu auspuffloser Motor. Dann tritt er auf das Gaspedal. Unter ohrenbetäubendem Lärm setzt sich das skurrile Gefährt in Bewegung, begleitet vom Klatschen der Umstehenden. Die ersten Brüller des Zwölfzylinders an diesem 12. März 1947 sind der Beginn einer Geschichte, die heute für automobile Faszination schlechthin steht: Die des Hauses Ferrari.

Ferrari - der Name steht für meist rot lackierte Sportwagen, für Fan-Kult und Formel 1, Niki Lauda oder Michael Schumacher. Und er steht vor allem für den Commendatore Enzo Ferrari, den Vater des Mythos. Auch seine besten Freunde bezeichneten ihn bestenfalls als exzentrisch, andere benutzten deftigere Ausdrücke. Im abgedunkelten Büro auf dem Werksgelände soll Ferrari gesessen haben, vor dem von Kerzen erleuchteten Bild seines verstorbenen Sohnes Dino, per Fernseher und Telefon im Kontakt mit dem Rennstall. Von dort regelte er, was zu regeln war.

Enzo Ferrari (Foto unten) hat - ob freiwillig oder unfreiwillig - lange am Mythos Ferrari gearbeitet. Nicht einmal sein korrektes Geburtsdatum gab er zu Lebzeiten zu. Geboren wurde er am 18. Februar 1898 - und hatte offiziell am 20. Februar Geburtstag. Weil seine Eltern es wegen des hohen Schnees erst zwei Tage zu spät vom Stadtrand Modenas zum Standesamt schafften. Mit zehn Jahren sah Ferrari nach eigenen Angaben in Modena sein erstes Autorennen und war fasziniert. Damals hatte er sich jedoch noch nicht endgültig entschieden, ob er Operntenor, Sportjournalist oder Rennfahrer werden wollte.

Der erste Berufswunsch wurde im Alter von 17 Jahren abgehakt. Enzo Ferrari berichtete für die "Gazetta dello Sport" über ein Fußballspiel - Beginn und Ende der Journalisten-Karriere. Von den gesanglichen Qualitäten ist nichts überliefert. Dafür kam Enzo Ferrari 1917 zumindest mit etwas ähnlichem wie Pferdestärken in Berührung. Wenn auch anders als erträumt: Der junge Mann mit der Adlernase mußte im Krieg bei den Gebirgsjägern Esel beschlagen.

Vater und Bruder fielen im Krieg

Für die Familie Ferrari nahm der Krieg ein schlimmes Ende: Vater und Bruder fielen. Enzo berichtet später, daß er an der Front schwer erkrankte, verschwieg aber woran. Später bekam er ein Empfehlungsschreiben von der Armee, stellte sich bei Fiat vor und wurde - abgelehnt. Ein Moment, der vermutlich der Grundstein für den späteren Erfolg war, schreibt Ferrari-Experte Roger Hicks in seinem "Ferrari Buch" (Heel Verlag, Königswinter). Denn Enzo Ferrari war kein Mensch, der auf Ablehnung mit einem Schulterzucken reagierte. Er hatte, so Hicks, eine "fast mittelalterliche Auffassung von Ehre", sprach auch bei eher normalen Vorkommnissen von "Rache", "Belohnung" und "Bestrafung".

Auf jeden Fall bekam es Enzo wenig später tatsächlich mit Autos zu tun. Er fuhr für eine Firma halb ausgeschlachtete Lastwagen nach Turin, lernte dabei einige Rennfahrer kennen und war plötzlich Testfahrer. Mit 21 Jahren erfüllte sich sein Jugendtraum: Enzo Ferrari wurde Rennfahrer. Und er hatte Erfolge, wenn auch nicht so große, wie er später weismachen wollte. In zwölf Jahren startete er 39mal - also etwa zweimal im Jahr - und gewann elfmal, allerdings in erster Linie bei kleineren Rennen.

Das Fahren war bald nicht mehr Hauptsache. 1925 gründete Ferrari eine Alfa-Romeo-Vertretung auf dem Gelände eines ehemaligens Pferdestalls an der Viale Trento e Trieste 31 in Modena. Im Dezember 1929 wurde daraus die "Societa Anonima Scuderia Ferrari" - ein privater Rennstall und - soweit hatte es Ferrari gebracht - die offizielle Rennabteilung von Alfa Romeo. Die eingesetzten Rennwagen trugen ein unverwechselbares Kennzeichen: Ein Wappen mit einem sich aufbäumenden Pferd. Fotos: dpa

  • » Fortsetzung (Die Sache mit dem Pferd)

    Letzte Änderung: 08.04.1997 18:10 von aj